DaimlerChrysler 2003 Schrempps Achillesferse

DaimlerChrysler hat ein gutes Jahr hinter sich. Doch trotz aller Fortschritte traut die Börse der US-Tochter Chrysler nicht. Wohin steuert der deutsch-amerikanische Autobauer in 2003? Analysten geben im vierten Teil der mm.de-Serie Antwort.

Hamburg - Jürgen Schrempp macht sein Job wieder Spaß. "Wenn man mal durch schwierige Zeiten gegangen ist, genießt man die besseren Zeiten sehr viel mehr", zitiert die "Börsen-Zeitung" den DaimlerChrysler-Lenker. Der 58-Jährige denkt noch lange nicht ans Aufhören. Er kann sich sogar eine Amtszeit über den bis 2005 laufenden Vertrag hinaus vorstellen.

Wen wundert's: Das operative Geschäft läuft besser als erwartet, DaimlerChrysler  fährt wieder ordentliche Gewinne ein und hat seine Gewinnprognose für das Jahr 2002 erneut angehoben.

Die Analysten honorieren dies mit viel Lob, vor allem für die einst hoch defizitäre US-Tochter Chrysler, die seit dem zweiten Quartal dieses Jahres wieder schwarze Zahlen präsentiert. Auch die Probleme der Lkw-Tochter Freightliner hat der Automobilhersteller nach Ansicht von Markbeobachtern in den Griff bekommen.

Beim Konjunkturaufschwung ganz vorn dabei

"Das ist eine wirklich erfolgreiche Restrukturierungsstory, die der Konzern in den USA schreibt", sagt Robert Pottmann von M. M. Warburg. DaimlerChrysler sei das Automobilunternehmen, von dem man mit großer Sicherheit behaupten könne, dass es auch in einem schwächeren Konjunkturumfeld die Profitabilität Schritt für Schritt steigern werde. Dies sei ein deutliches Argument für den Konzern und die Aktie, die Pottmann auf Sicht von zwölf bis 18 Monaten zum Kauf empfiehlt.

DaimlerChrysler habe es auch in einem widrigen Umfeld geschafft, sehr schnell wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Wenn die Konjunktur dreht, die großen Flotten verstärkt einkaufen und die Nutzfahrzeuge mehr nachgefragt werden, werde dies einen großen Hebel auf die Profitabilität innerhalb des Konzerns haben, ist sich der Analyst sicher.

Die Restrukturierung bei Chrysler mache große Fortschritte, lobt auch Robert Heberger von Merck Finck. Zwar verzeichnete die US-Tochter im November einen Absatzrückgang von rund elf Prozent, kam damit allerdings deutlich besser weg als die unmittelbaren Konkurrenten GM und Ford.

Chrysler bleibt die Achillesferse

Chrysler bleibt die Achillesferse

Produkte von Chrysler könnten sich auch in Zukunft besser verkaufen als Wagen von GM oder Ford, glaubt Heberger. Dabei dürfte die US-Tochter in Zukunft weiter von der engen Kooperation mit Mercedes profitieren, was sich zum Beispiel in einer laufenden Erneuerung der Innenausstattung von Chrysler-Autos niederschlage.

Doch aus Sicht des Marktes ist DaimlerChrysler noch nicht über den Berg. Nach einer Erholungsphase im November hat die Aktie kräftig verloren und ist am Donnerstag mit 28,16 Euro auf den tiefsten Stand seit Mitte 1993 gefallen.

Halten Analysten die Kursabschläge auch für übertrieben, so herrscht Einigkeit unter den Experten, dass Chrysler einem rückläufigen US-Massenmarkt im kommenden Jahr nicht entrinnen kann. Sollte der Markt tatsächlich um fünf oder mehr Prozent sinken, zweifelt etwa Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler, dass Chrysler dies durch weitere Einsparungen kompensieren kann oder das Ergebnis sogar steigern wird.

Wohl oder übel werde das Unternehmen sich auch vom Konkurrenten GM angezettelten weiteren Preisschlachten nicht entziehen können, was die Margen erneut belasten dürfte, sagt Pieper. "Chrysler wird in 2003 auf der Stelle treten." Auch deshalb sieht er in der Aktie auf Sicht von zwölf Monaten lediglich eine Halteposition, während Merck Finck das Prädikat "Marketperformer" vergibt.

Mit Blick auf Chrysler scheinen sich die Bedenken einiger Analysten zu bestätigen. So hat sich Chrysler-Chef Dieter Zetsche zurückhaltend zu den Absatzaussichten im kommenden Jahr geäußert. Der angestrebte US-Marktanteil von 14 Prozent werde von Chrysler auch in 2003 nicht erreicht.

Das kommende Jahr wird nicht einfach, gesteht Schrempp vor diesem Hintergrund ein, scheut aber einen konkreten Ausblick. Derlei Zurückhaltung kommt bei den Märkten schlecht an. Da nützt es wenig, dass der Vorstandschef "unglaublich viel Fantasie" in der Aktie sieht. Er muss sie bei den Anlegern durch viel versprechende Perspektiven auch wecken. Die Märkte warten auf ein erlösendes Zeichen spätestens im Januar.

Chrysler bleibt für den Konzern das Damoklesschwert, das über allem schwebt. Das weiß Schrempp. Den Beweis, dass die viel kritisierte Fusion langfristig doch Sinn macht, will Schrempp unbedingt erbringen – notfalls auch nach 2005. Das ist er sich und den Aktionären schuldig.

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