HypoVereinsbank Der Norden auf dem Prüfstand

Der Umbau bei der HypoVereinsbank geht weiter. Die Münchener stehen angeblich vor einer Komplettübernahme der Vereins- und Westbank.

Hamburg/München – Wer geglaubt hatte, mit der lang ersehnten Bekanntgabe der Nachfolgeregelung für HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt kehre bei den Münchenern endlich Ruhe ein, wurde in den vergangenen Wochen herbe enttäuscht.

Kaum war Dieter Rampl zum neuen Primus der HVB-Group  bestimmt worden, machten neue Gerüchte über eine Fusion mit der Commerzbank  die Runde. Die Aktien beider Großbanken erlebten Kurssprünge, wie Investoren sie nur aus den legendären Boomzeiten am Neuen Markt kannten.

Doch das Kursfeuerwerk war schnell abgebrannt. Spätestens mit der Herunterstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's fand sich die HVB im Tal der Tränen wieder.

Sorgenkind Norisbank

In der vergangenen Woche gesellten sich zu den Problemen am Markt nun auch noch Gerüchte um interne Umbaumaßnahmen. HypoVereinsbank-Kreise bestätigten gegenüber manager-magazin.de inzwischen, dass die Tochter Norisbank zum Verkauf stehe. Interessenten sollen BNP Paribas und Sociéte Générale sein.

Schon seit Jahren war nicht klar, was aus der erst 1997 erworbenen Norisbank werden soll. Im Juni 2001 verkündete die HypoVereinsbank, sie wolle das Institut mit der Vereins- und Westbank verschmelzen. An rund 90 Standorten sollten Filialen zusammengelegt werden.

"Der Konzern hat nur knappe Ressourcen"

Dann der Rückzieher: "Der Konzern hat nur knappe Ressourcen", lautete im März dieses Jahres die Begründung für den Stopp der Restrukturierungspläne. Die ursprünglich eingeplanten 70 bis 75 Millionen Euro Fusionskosten waren plötzlich nicht mehr über.

Nun steht auch die Vereins- und Westbank (HVB-Anteil rund 75 Prozent), erst vor kurzem komplett auf die Optik der bayerischen Mutter umgestellt, offensichtlich auf dem Prüfstand. Einziger Großaktionär bei der Vereins- und Westbank ist neben der HVB die AMB-Gruppe mit rund 17 Prozent. Sie ist durch Joachim Lemppenau, Vorsitzender der Vorstände der Volksfürsorge-Gruppe, im Aufsichtsrat der Bank vertreten.

Der Vorstand prüft eine Liste mit Optionen

Der Vereins- und Westbank seien Überlegungen einer Vollübernahme durch die Mutter HypoVereinsbank nicht bekannt. Gerüchte darüber würden in regelmäßigen Abständen immer wieder auftreten, sagte ein Vereinsbank-Sprecher am Donnerstag. Diese kommentiere man nicht mehr. HVB und Vereins- und Westbank würden seit zwölf Jahren konstruktiv zusammenarbeiten. Die Vereins- und Westbank hat in Norddeutschland 170 Filialen. Zuletzt brach das Ergebnis um 88 Prozent auf sechs Millionen Euro ein.

Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, dass die HVB derzeit prüfe, welchen Beitrag die Tochter zum Gesamtergebnis leiste. Am Ende des Prozesses würde dem Vorstand eine Liste mit Optionen vorgelegt, zu denen sowohl eine vollständige Integration als auch der Verkauf des Hamburger Instituts gehören könnten.

Besonders die Mittelständler in der Hansestadt dürften bei dieser Informationslage nicht nur angesichts der eisigen Temperaturen zittern. Gilt das Kreditgebaren der bayerischen Mutter doch als wesentlich härter als das der norddeutschen Tochter.

HypoVereinsbank: Abruptes Karriereende

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