Mobilcom Wann verkauft France Telecom?

Die Analyse der France Telecom zum deutschen Engagement ist negativ. Wann wird verkauft?

Paris / Büdelsdorf – Will die France Telekom  das knappe Drittel, das ihr an Mobilcom  gehört, verkaufen? Noch vor wenigen Monaten hatte Finanzvorstand Jean-Louis Vinciguerra dies im Rahmen einer Telefonkonferenz angekündigt – den Zeitpunkt für den Verkauf aber offen gelassen.

Da France Telecom an dem Provider-Geschäft, auf das sich Mobilcom jetzt offensichtlich konzentrieren will, laut Vinciguerra "kein Interesse" hat, war die Argumentation stimmig.

Im Rahmen der tagelangen Diskussionen um den Treuhänder-Vertrag für Ex-Mobilcom-Chef Gerhard Schmid tauchte dann allerdings in Regierungskreisen das Gerücht auf, auch die France Telecom wolle einen Treuhänder für ihr Aktienpaket bestimmen. Der hätte vorraussichtlich für ein Jahr nicht das Recht, Aktien zu verkaufen. Dieser Auflage muss zumindest der Schmid-Treuhänder Dieter Vogel folgen.

Regulierungsbehörde dementiert

In den vergangenen Tagen nun hieß es aus Kreisen der France Telecom, der Konzern plane eine Zweitplatzierung seines Mobilcom-Anteils an der Börse. "Das bestreiten wir. Wir haben keiner Bank ein Mandat erteilt, unseren Anteil zu verkaufen", sagte dazu am Montag nachmittag eine Unternehmenssprecherin in Paris.

Bei der vorgesehenen Rekapitalisierung von Mobilcom, so hieß es an anderer Stelle, könne FT ihren Anteil abgeben.

Sollten die Franzosen verkaufen wollen, müssten sie dies von der deutschen Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) genehmigen lassen. "Eine solche Transaktion muss uns vorgelegt werden", sagte ein Sprecher der Regulierungsbehörde am Montag in Bonn. Ein entsprechender Antrag liege der Behörde aber nicht vor, fügte der Sprecher hinzu. Entscheidend sei, dass ein neuer Großaktionär bei Mobilcom nicht schon eine UMTS-Lizenz besitze dürfe.

Mobilcom: "Lizenz auf jeden Fall behalten"

"Ein Unternehmen darf nicht zwei UMTS-Lizenzen haben. Die Lizenznehmer müssen wirtschaftlich vollkommen unabhängig voneinander sein", sagte der Sprecher. Darüber hinaus müsse ein künftiger Mobilcom-Partner die für alle UMTS-Lizenznehmer geltenden Kriterien in Bezug auf Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit und Fachkunde erfüllen.

Zu den Verkaufsgerüchten sagte Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch: "Das ist Sache der Anteilseigner und des Aufsichtsrats. Für uns ist derzeit die Sanierung Thema Nummer eins." Zu den weiteren Plänen für das kürzlich eingefrorene UMTS-Geschäft sagte Quaritsch: "Wir behalten die Lizenz auf jeden Fall."

900 Antennen-Standorte in Deutschland

Im Moment bestehe kein Handlungsbedarf und man könne entspannt abwarten. Man halte sich alle Optionen offen. Der nächste vom Regulierer gesetzte Termin sei Ende 2003. Dann müssen alle UMTS-Lizenzinhaber mit ihren Netzen jeweils 25 Prozent der Bevölkerung erreichen.

Bisher ist der Ausbau des UMTS-Netzes von Mobilcom mit mehr als 900 Antennen-Standorten in Deutschland weiter vorangeschritten als bei den Mitbewerbern Telekom und Vodafone.

France Telecom und die UMTS-Banken werden sich nach Angaben Quaritschs bis zum 30. November über die Refinanzierung des UMTS-Kredites von 4,7 Milliarden Euro einigen. Damit sei dann für Mobilcom das Thema erledigt. Der entsprechende Vorvertrag sei schon seit langer Zeit unterschrieben.

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