Fluggesellschaften United und Varig im Sinkflug

Das Linienbündnis Star Alliance schwächelt. Einigen Airlines droht die Zahlungsunfähigkeit. Zudem will die Konkurrenz dem Marktführer Anteile abnehmen.

Hamburg/Rio de Janeiro - Die Star Alliance gerät ins Trudeln. Die bis dato größte Kooperationsgemeinschaft von Fluggesellschaften muss einige Mitglieder mit Krediten versorgen, um deren Absturz zu vermeiden. Betroffen sind die US-Linie United Airlines und die brasilianische Gesellschaft Varig Brasil.

Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" einigten sich die Vorstände der Alliance-Mitglieder am Wochenende auf Maßnahmen zur finanziellen Unterstützung. Vor allem United Airlines benötigt dringend Hilfe. Der mit Abstand größte Star-Partner steht offenbar kurz vor der Insolvenz.

Im laufenden Jahr wird das Unternehmen voraussichtlich Verluste zwischen 2,5 und 2,7 Milliarden Euro einfahren. Kurzfristig benötigt United zwei Milliarden Dollar. Ansonsten droht der Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 des amerikanischen Konkursrechts.

Star-Alliance-Gründungsmitglied Lufthansa  hatte sich mit United jüngst auf eine intensivere Zusammenarbeit auf den Transatlantikflügen verständigt, die den Amerikanern ein Umsatzplus von etwa 90 Millionen Dollar bringen soll. Ob die Kranich-Linie weitere Hilfen gewährt, wird nach Angaben von Lufthansa-Chef Jürgen Weber derzeit sorgsam geprüft.

Die Star Alliance ist aber wohl entschlossen, United nicht fallen zu lassen. Im Gespräch ist ein Darlehen in Höhe von 200 Millionen Dollar. "Niemand sollte den Zusammenhalt und die Überzeugung innerhalb der Gruppe unterschätzen", sagte Air-Canada-Chef Robert Milton.

Auch die brasilianische Varig steckt tief in der Krise. Am Montag kündigte Konzernchef Arnim Lore seinen Rücktritt an. Lore hatte den Chefposten bei der größten Airline Lateinamerikas erst vor drei Monaten übernommen.

Der Verwaltungsrat von Varig hatte zuvor ein Umschuldungsabkommen zurückgewiesen, das Lore mit den Gläubigern des Unternehmens erzielt hatte. Neben Lore traten auch drei Angehörige des Verwaltungsrates zurück. Star-Partner Varig hat Schulden in Höhe von mehr als 900 Millionen Dollar.

Drohender Imageschaden für die Star Alliance

Marktführer unter Druck

Gegründet wurde die Star Alliance vor fünf Jahren von Lufthansa, United Airlines, Air Canada, SAS Scandinavian Airlines und Thai Airways. Später kamen unter anderem Singapore Airlines, All Nippon Airways und Air New Zealand hinzu. Die Fluglinien führen sich in einem Streckennetz mit rund 900 Zielen gegenseitig Umsteigerpassagiere zu und bieten gemeinsam Services an.

Mit einem Marktanteil von 21 Prozent dominiert die Star Alliance den weltweiten Flugverkehr. Allerdings – und auch deswegen unterstützen die Mitglieder sich gegenseitig – wird der Konkurrenzdruck größer.

Der Mitbewerber Oneworld (unter anderem British Airways und American Airlines) liegt zwar derzeit noch mit einem Marktanteil von 17 Prozent hinter der Star-Gruppe. Doch durch die anstehende Übernahme des Alliance-Mitglieds Air New Zealand durch den Oneworld Partner Qantas droht der Marktführer derzeit seine Präsens in Ozeanien zu verlieren.

Experten vermuten, dass Air New Zealand dann die Lager wechseln wird. Zuvor hatte British Airways die australische Linie Qantas ebenfalls über eine Minderheitsbeteiligung eingebunden. Schon prüft Star-Mitglied Singapore Airlines den Aufbau einer Tochtergesellschaft für den Flugverkehr innerhalb Australiens.

Drohender Imageschaden

Neben Oneworld bringt sich auch das Bündnis Skyteam als dritter großer Player in Position. Bereits im August vereinbarten die US-Gesellschaften Delta Airlines, Continental und Northwest eine Zusammenarbeit im inneramerikanischen Flugverkehr. Die Kooperationsgemeinschaft, zu der auch Air France gehört, will den Ausbau der Zusammenarbeit weiter forcieren.

In dieser Situation kann die Star-Gruppe eine Pleite bei United wenig gebrauchen. Branchenkenner stufen die Auswirkung einer Insolvenz bei der US-Gesellschaft aber gering ein. "Chapter 11 sehe ich eher als Drohung der Geschäftsführung in Richtung Regierung und Gewerkschaften. Die fliegen weiter", sagt Mario Kristl, Luftfahrt-Analyst bei Helaba Trust. "Was aber entstehen wird, ist ein Imageschaden für die Star Alliance", so Kristl weiter. Auch stehen neue Mitglieder bereit, um mögliche Einbrüche im US-Geschäft zu kompensieren. So gilt US Airways als heißer Kandidat für die Aufnahme im Bündnis.

Ungeachtet der finanziellen Probleme bei United und Varig will die Star Alliance zudem weiter wachsen und so die Konkurrenten auf Abstand halten. Im kommenden Jahr soll die südkoreanische Fluggesellschaft Asiana dem Bündnis beitreten. Später sollen Spanair und LOT Polish Airlines folgen.