BNP Paribas Sieger der Blitzauktion

Überraschungscoup - die französische Großbank beteiligt sich am Konkurrenten Credit Lyonnais.

Paris - Bei einer Blitz-Auktion für den Staatsanteil an der französischen Großbank Credit Lyonnais hat Konkurrent BNP Paribas  für 2,2 Milliarden Euro den Zuschlag erhalten.

BNP stach damit drei Mitbewerber aus, darunter nach Branchenangaben die beiden Credit-Lyonnais-Großaktionäre Credit Agricole und die zum Allianz-Konzern gehörende AGF-Gruppe. Das Angebot von BNP entsprach 58 Euro je Aktie, ein Aufschlag von fast 49 Prozent auf den aktuellen Börsenkurs von Credit Lyonnais.

Das französische Wirtschafts- und Finanzministerium hatte die Auktion für den verbliebenen Staatsanteil von 10,91 Prozent überraschend am Freitagabend angekündigt und gab bereits am Samstagabend das Ergebnis bekannt.

Bankensektor im Umbau

Bankanalysten rechnen nun mit einem beschleunigten Umbau des französischen Bankensektors. BNP Paribas zählt zu den am schnellsten expandierenden Finanzinstituten in Europa. Erst im vergangenen Frühjahr hatte der Bankkonzern den angeschlagenen deutschen Online-Broker Consors  übernommen, um das Nürnberger Unternehmen mit der eigenen Online-Tochter Cortal zum größten europäischen Internet-Wertpapierhändler zusammenzuschließen.

BNP Paribas erklärte zum Einstieg bei Credit Lyonnais, die Kooperationsmöglichkeiten zwischen den beiden Banken schnell nutzen zu wollen. Die Unternehmenskulturen seien sehr ähnlich.

Das Angebot von BNP Paribas sei deutlich höher gewesen als das anderer Bieter, erklärte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Francis Mer. Er hatte sich kurzfristig für die Auktion entschieden, nachdem monatelang Gespräche mit den beiden bisherigen Hauptaktionären dem Vernehmen nach am Preis scheiterten. Am Credit-Lyonnais-Kapital ist auch die Commerzbank mit fast vier Prozent beteiligt.

Ursprünglich bestanden Pläne, die 1999 größtenteils privatisierte Credit Lyonnais und Credit Agricole zu vereinen, doch Credit-Lyonnais-Vorstandschef Jean Peyrelevade stellte sich quer. Credit Lyonnais hatte die Auktion in einer Stellungnahme am Samstag "als unübliche und plötzliche Vorgehensweise" kritisiert.

Die neue konservative französische Regierung will mit dem Verkauf von Beteiligungen in den kommenden Jahren rund 40 Milliarden Euro in die Staatskassen hereinholen.