Bayer Kauft Glaxo die Pharmasparte?

Vorstandschef Wenning erklärt, dass ein Pharma-Partner die Mehrheit der Sparte übernehmen dürfe. Jetzt hat GlaxoSmithKline angebissen. Einen Komplettverkauf soll es aber nicht geben.

London - Europas größter Pharmakonzern GlaxoSmithKline  führt einem Zeitungsbericht zufolge weitgehende, ernstzunehmende Gespräche mit dem deutschen Chemie- und Pharmakonzern Bayer  über eine Kooperation im Pharmageschäft. Dies berichtete die britische Zeitung "The Independent on Sunday" unter Berufung auf Glaxo nahe stehende Kreise.

Ciprobay - Blockbuster in der Medikamentenpalette

Das Interesse von Glaxo stehe in unmittelbarem Zusammenhang mit dem von Bayer-Chef Werner Wenning in der Vorwoche verkündeten Kurswechsel. Demnach ist Bayer bei der Suche nach einem starken Partner für sein Pharmageschäft bereit, auf eine Mehrheit zu verzichten. "Eine Partnerschaft, in der Bayer die Mehrheit hält und die gleichzeitig unserem Geschäft weiterhilft, ist nicht mehr realistisch", hatte Wenning betont.

In Industriekreisen wurden darauf neben Glaxo auch die Schweizer Roche  und der US-Konzern Bristol-Myers Squibb  als mögliche Partner genannt. Einen kompletten Verkauf der Sparte hatte Konzernchef Werner Wenning aber ausgeschlossen. Weder GlaxoSmithKline noch Bayer waren zunächst für eine Stellungnahme zu erreichen.

Gegenüber manager-magazin.de wollte ein Bayer-Sprecher nicht kommentieren, ob es Übernahmegespräche mit GlaxoSmithKine gibt. Zur Strategie der Pharmasparte sagte der Sprecher, dass künftig in der Forschung und Entwicklung "stärkere Schwerpunkte" gesetzt werden sollen.

Die Ausgaben für Forschung um ein Drittel reduzieren

So wolle sich Bayer künftig weiter in Bereichen engagieren, in den spezielles Know-how gebündelt sei - beispielsweise auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Vorzeige-Medikament ist hier Adalat, ein Medikament gegen Bluthochdruck, das in den Top-Ten der Umsatzträger des Konzerns rangiert.

Als weitere Schwerpunkte werden weiterhin die Sparte Infektionskrankheiten angesehen, der junge Bereich der Krebsforschung soll ausgebaut werden. "Insgesamt soll die über dem Branchenschnitt liegende Kostenquote von derzeit etwa 29 Prozent am Gesamtumsatz allerdings auf 20 Prozent zurückgefahren werden", sagte der Bayer-Sprecher.

Eine Übernahme der Kontrollmehrheit bei dem angeschlagenen Pharmageschäft von Bayer würde Glaxo nach Schätzungen rund acht Milliarden Euro kosten. Glaxo würde aber das unter anderem gegen Milzbrand einsatzfähige Antibiotikum Ciprobay sowie eine erweiterte Entwicklungspipeline hinzugewinnen. Der Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay 2001 hatte das Pharmageschäft von Bayer in eine Krise gestürzt und hohe Verluste verursacht.

Partner im Potenzmittel-Vertrieb

Glaxo und Bayer kooperieren bereits bei der Vermarktung des von Bayer entwickelten Potenzmittels Levitra. Die Markteinführung in den USA ist für 2003 geplant. Das Produkt wird mit dem umsatzstarken Potenzmittel Viagra des US-Pharmakonzerns Pfizer  konkurrieren.

Glaxo hält nach eigenen Angaben etwa sieben Prozent am Weltmarkt für pharmazeutische Produkte. 2001 lag der Umsatz des Konzerns bei 20,5 Milliarden Pfund (32,4 Milliarden Euro) bei einem Vorsteuerergebnis von 6,2 Milliarden Pfund. Der Löwenanteil am Umsatz entfiel mit 17,2 Milliarden Pfund auf den Pharmabereich. Insgesamt beschäftigt der Konzern mehr als 100.000 Mitarbeiter weltweit. Davon arbeiten mehr als 40.000 im Verkauf und Marketing.

Bayer erwartet in diesem Jahr unter Berücksichtigung von Unternehmensverkäufen einen höheren Konzerngewinn als im Vorjahr, als der Reingewinn bei 965 Millionen Euro lag. Bis 2005 will das Unternehmen etwa 15.000 Stellen sozialverträglich abbauen. Weltweit zählte der Konzern Ende September 123.500 Beschäftigte.

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