Mobilcom "Kompletter Blödsinn"

Die Zukunft des Unternehmens bleibt ungewiss. Gerhard Schmid will angeblich für eine 70 Millionen Euro hohe Forderung nicht bürgen. Der Firmengründer dementiert heftig. Großaktionär France Telecom indes bewegt sich kaum.

Berlin - Auch nach dem Abschluss eines Treuhändervertrages für die Mobilcom-Anteile von Firmengründer Gerhard Schmid gehen die Spekulationen um die endgültige Rettung des angeschlagenen Unternehmens weiter. So berichtete die "Berliner Zeitung" am Wochenende, Schmids Weigerung, eine Bürgschaft zur Rückzahlung eines aus der Mobilcom-Kasse entnommenen Millionenbetrages zu leisten, könne die Rettung des Unternehmens noch gefährden.

Bei den Verhandlungen hatte Schmid strikt abgelehnt, eine Schuld über rund 70 Millionen Euro anzuerkennen. Der Betrag war im Zuge eines Aktien-Optionsgeschäfts an das Unternehmen seiner Frau geflossen.

Wenn Schmid bei seiner Weigerung bleibe, könne dies zu weiteren Verzögerungen bei der Übernahme der Mobilcom-Altschulden durch Großaktionär France Telecom führen, heißt es. Zudem wäre damit die Auszahlung eines zweiten Liquiditätsdarlehens durch ein Bankenkonsortium blockiert.

Schmid bezeichnete in einer Stellungnahme am Sonntag den Zeitungsbericht als "kompletten Blödsinn". Er habe alles unterschrieben, was von ihm verlangt worden sei. Verhandlungsführer Dieter Vogel habe gesagt, dass er sicher sei, dass France Telecom nach der erfolgten Unterschrift Schmids nun alle Verträge zur Rettung des Unternehmens unterzeichnen werde.

Zuvor hatte auch eine Sprecherin Schmids erklärt: "Dieses Thema ist an Herrn Schmid in den letzten Tagen gar nicht mehr herangetragen worden." Im übrigen sei der unterzeichnete Treuhändervertrag von allen Seiten positiv aufgenommen worden. Jetzt sei Mobilcom-Großaktionär France Telecom am Zuge und müsse sagen, wie es weitergehe.

Geht der Streit um die 70 Millionen vor Gericht?

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" hat France Telecom unterdessen Zustimmung zu dem Treuhänder der Mobilcom-Anteile von Firmengründer Gerhard Schmid, dem ehemaligen RTL-Chef Helmut Thoma, signalisiert. Vor einer Unterschrift wolle man aber noch einige ausstehenden Fragen klären. Die Zeitung berichtet außerdem, dass die von Schmid zurückverlangten 70 Millionen Euro von Mobilcom vorerst gestundet würden. Später könne womöglich ein Gericht den Streitfall klären. Schmid bestreitet grundsätzlich die Rechtmäßigkeit der von Mobilcom und France Telecom an ihn gestellten Rückzahlungsforderungen.

Der Hamburger Online-Dienst Freenet.de, an dem Mobilcom mit 76 Prozent beteiligt ist, äußerte sich erleichtert über die Entwicklung der jüngsten Tage. Freenet-Vorstandschef Eckart Spoerr sagte der WamS, nun sei ein unkontrollierter Verkauf von Anteilen seines Unternehmens durch den Insolvenzverwalter nicht mehr zu befürchten. Zudem strebt Spoerr weiter eine Übernahme des Festnetzgeschäftes der Mobilcom an, weil Freenet dieses als größter Kunde bis zu 90 Prozent auslaste. Nach einer Übernahme würde Freenet 25 Millionen Euro für eine Modernisierung des Netzes ausgeben, sagte Spoerr.

Für Mobilcom gibt es im Kampf gegen die Insolvenz eine Verschnaufpause. Am Freitag hatten die Banken auslaufende Kredite in Höhe von 4,7 Milliarden Euro gestundet. Mobilcom-Großaktionär France Telecom hatte zugesichert, das Unternehmen von rund sieben Milliarden Euro Schulden zu befreien. Dazu hatte Firmengründer Gerhard Schmid den Weg freigemacht. Nach wochenlangen zermürbenden Verhandlungen mit der Bundesregierung setzte er am Donnerstag seine Unterschrift unter einen Treuhändervertrag und zog sich damit - wie von France Telecom im monatelangen erbitterten Streit gefordert - aus den Mobilcom - Angelegenheiten zurück.

Schmids Aktienpaket und die Anteile der Firma seiner Frau verwaltet jetzt der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma, der auch im Mobilcom-Aufsichtsrat sitzt. Der Medienmanager will erst zu seiner neuen Aufgabe Stellung nehmen, wenn die Unterschrift von France Telecom vorliegt. Ähnlich hält es die schleswig-holsteinische Landesregierung.

Helmut Thoma: Fester Wille, steile Karriere Mobilcom: Der Rettungsanker?

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