Terrorversicherung "Die Budgets sind knapp"

Das Geschäft mit der Angst läuft schleppend an. Der Extremus AG fehlen noch Kunden.

Hamburg - Der erste deutsche Terror-Versicherer Extremus ist rund zwei Wochen nach Verkaufsstart für die Policen noch weit von seinem Ziel entfernt, zwei Drittel der deutschen Großkonzerne als Kunden zu gewinnen. Der Vorstandsvorsitzende Bruno Gas sagte im Interview mit SPIEGEL ONLINE, bisher seien rund "eine Hand voll" Verträge abgeschlossen.

Zu weiteren 20 bis 30 großen Unternehmen gebe es erste Kontakte. Da auch die bereits geschlossenen Verträge oft erst im Dezember oder Januar anlaufen, so Gas in dem Gespräch, werde Extremus in diesem Jahr wahrscheinlich einen leichten Verlust erleiden, aber "allenfalls im sechsstelligen Bereich".

Die Extremus AG, an der 16 Erst- und Rückversicherer wie Allianz, Münchner Rück, Swiss Re, HDI, Gerling, Gothaer, HUK Coburg und andere beteiligt sind, bietet seit dem 1. November Policen zum Schutz durch terroristisch verursachte Sach- und Betriebsausfallschäden. Nach eigenen Angaben muss das Unternehmen zwei Drittel der deutschen Großkonzerne als Kunden gewinnen, um profitabel arbeiten zu können. Ob sich dieses Ziel erreichen lasse, werde man voraussichtlich im Januar wissen, sagte Gas.

Der Mittelstand zögert noch

Trotz des verhaltenen Starts zeigte er sich aber zuversichtlich, dass Extremus seine Ziele erreichen werde. Prinzipiell sei das Interesse bei Großkonzernen groß. Viele Verträge würden auch über Makler und die Erstversicherer zu Stande kommen. Angesichts der Kosten entscheide bei vielen Unternehmen der Vorstand unter Einbeziehung des Aufsichtsrates über den Policen-Kauf, so dass es zu Verzögerungen komme. Im Mittelstand sei die Bereitschaft zum Abschluss einer Terrorversicherung geringer. "Die Budgets sind knapp, das merken wir in den Verhandlungen", wird der Vorstandschef zitiert.

Gas verteidigte sein Unternehmen gegen Kritik aus der Industrie. So sei es nicht möglich, Kunden statt des kostspieligeren Komplettschutzes anzubieten, nur einzelne, besonders gefährdete Gebäude abzusichern. "Wenn wir den Kunden die Wahl ließen, hätten wir eine ungeheure Arbeit und müssten eine eigene Bestandsaufnahme aller Risiken vornehmen", sagte Gas.

"Auch mal einen mächtigen Schaden einstecken"

Er räumte ein, dass es für international aktive Konzerne problematisch sei, dass Extremus nur innerdeutsche Risiken absichere. Viele hätten sich damit aber abgefunden. Wenn ein Unternehmen Kapazitäten habe, "auch mal einen mächtigen Schaden einzustecken", und die Vorstände bereit seien, etwaige Haftungsklagen von Aktionären und Kreditgebern in Kauf zu nehmen, könnten sie auch ganz auf Terrorschutz verzichten. Gas sagte: "Wir sind am freien Markt und müssen damit leben, wenn einer nicht zu uns kommt."

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