Volkswagen Marschroute 2007

"Low-Entry-Fahrzeug" und Multifunktionsautos - Volkswagen investiert in den kommenden fünf Jahren 33,3 Milliarden Euro, um die Modell-Palette zu erweitern. Neben Deutschland ist China ein Investitionsschwerpunkt.

Wolfsburg - Der Aufsichtsrat der Volkswagen AG  hat am Freitag die mittelfristige Konzernplanung (2003 bis 2007) erörtert. Im Mittelpunkt der "Planungsrunde 51" standen dabei die Investitionen für die nächsten fünf Jahre.

Für Sachinvestitionen des Automobilbereichs sind im Volkswagen-Konzern demnach in diesem Zeitraum insgesamt 33,3 Milliarden Euro geplant. Diese Summe liegt 6,5 Prozent über dem Niveau des im Vorjahr für den Zeitraum 2002 bis 2006 verabschiedeten Volumens von 31 Milliarden Euro.

Die künftigen Investitionen sollen laut Volkswagen vornehmlich der Erweiterung und Modernisierung der Produktpalette dienen. In allen Fahrzeugklassen werden Nachfolgeprodukte geplant. Zusätzlich sind Multi-Purpose-Vehicle (MPV) der Golf-Klasse, ein "Low-Entry-Fahrzeug" sowie weitere Varianten zur Abrundung der bestehenden Modellreihen vorgesehen. Auf dem Antriebssektor betreffen die Investitionen die neuen Motoren- und Getriebegenerationen mit niedrigerem Kraftstoffverbrauch sowie Technologien zur Erfüllung der Abgasgesetzgebungen, hieß es aus Wolfsburg.

Dem Standort Deutschland komme in der Investitionsstrategie von Volkswagen in den kommenden Jahren unverändert eine besondere Bedeutung zu. So sollen von den gesamten Sachinvestitionen des Automobilbereichs bis zum Jahr 2007 rund 67 Prozent (bisher 60 Prozent) auf deutsche Konzerngesellschaften entfallen. Die Erhöhung der Inlandsquote beruhten im Wesentlichen auf den Erneuerungen der im Inland produzierten Modelle.

Ziel sechs Millionen Fahrzeuge

In die chinesischen Gemeinschaftsunternehmen werden zur Stärkung der dortigen Wettbewerbsposition (Marktanteil 51 Prozent) weitere 2,9 Milliarden Euro für neue Fahrzeugmodelle investiert, die in den bereits genannten Investitionszahlen nicht enthalten seien. Am Rande der Eröffnung der Wolfsburger "AutoUni" hatte Konzernchef Bernd Pischetsrieder den Produktionsstart eines für den chinesischen Markt geplanten Kleinwagens auf der Plattform des in Brasilien gebauten "Gol" für Februar 2003 angekündigt.

Insgesamt strebe der Volkswagen-Konzern unverändert an, seine jährlichen Auslieferungen in den nächsten fünf Jahren auf rund sechs Millionen Fahrzeuge zu steigern und damit seine Position als einer der größten Automobilhersteller der Welt zu festigen. Im vergangenen Jahr verkaufte Volkswagen rund 5,1 Millionen Fahrzeuge.

Pischetsrider verteidigt Piëch-Projekte

Erst in dieser Woche hatten Analysten der WestLB in einer Studie die Projekte im Luxus-Segment (Phaeton, Touareg, Bugatti) kritisiert und die Wirtschaftlichkeit dieser Fahrzeuge in Frage gestellt. Konzernchef Bernd Pischetsrieder verteidigt die von seinem Vorgänger Ferdinand Piëch angestoßenen Investitionen immer damit, dass die Erkenntnisse aus den Edel-Boliden auch den anderen Fahrzeugen aus dem Konzern zu gute kommen würden. Pischetsrieder gesteht aber gleichzeitig einen Nachholbedarf bei Nischenfahrzeugen ein.

Mit den jetzt verabschiedeten Plänen soll der VW-Konzern wieder auf Kurs gebracht werden. Das Vorsteuerergebnis hatte sich von Juli bis September um knapp 48 Prozent auf 711 Millionen Euro reduziert. Bei einem um 2,2 Prozent auf 21,2 Milliarden Euro leicht gestiegenen Umsatz brach der Reingewinn binnen Jahresfrist um über 50 Prozent auf 439 Millionen Euro ein.

Trendwende erst 2004 möglich

Die Analysten von Helaba Trust bezweifeln, ob die unter Pischetsrieders Regie eingeleiteten Maßnahmen bereits im nächsten Jahr greifen werden. In 2003 würden dem Autobauer die Volumenmodelle fehlen, die sich von der starken Konkurrenz (Peugeot, Toyota) absetzen würden und trotz verhaltener Aussichten der Automärkte (USA, Westeuropa) für eine Sonderkonjunktur sorgen könnten. Mit einer Absatzbelebung sei frühestens in 2004 zu rechnen, wenn der neue Golf und der neue Passat auf den Markt gebracht würden.

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