Mobilcom Paris steht auf der Bremse

Büdelsdorf und Berlin sind sich einig - Mobilcom wird weiterleben. Aus Paris aber fehlt noch die Zustimmung zum Treuhändervertrag von Gerhard Schmid. Eine symbolische Retourkutsche - oder ist das Rettungskonzept ernsthaft in Gefahr?
Von Christian Buchholz

Berlin / Büdelsdorf - Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid hat zwar den Vertrag unterschrieben, mit dem er seine Aktien auf Treuhänder Helmut Thoma überträgt.

Aber wird France Telecom der Regelung zustimmen? Der Großaktionär bei Mobilcom strebt weiter die Rettung des Unternehmens an. Gespräche dazu würden fortgeführt, sagte der Sprecher des französischen Telekomkonzerns, Bruno Janet, am Freitag in Paris. Erst in der kommenden Woche wird eine Entscheidung zum Thema Mobilcom aus Paris erwartet.

France Telecom soll offenbar nicht bereit sein, das Rettungspaket von sieben Milliarden Euro sofort zu unterzeichnen.

Erst müssten die Mobilcom-Banken versichern, dass die Finanzierung von Teilen des deutschen Telekomanbieters fortgesetzt werde, hieß es in Paris. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat die für die Zuteilung des Kredits notwendigen Prüfungen bis Freitag nachmittag noch nicht abgeschlossen.

Der Treuhänder-Vertrag, der auf zwei Jahre angelegt ist, wurde zwischen Schmid, dem Wirtschaftsministerium und dem Regierungsunterhändler Dieter Vogel abgestimmt, wie Schmids Sprecherin Nicolette Strauss erklärte.

France Telecom  hat bereits eine Verwaltungsratsitzung zu dem Thema abgehalten. "Wir gehen fest davon aus, dass auch France Telecom das Okay geben wird. Damit wäre Mobilcom über den Berg", sagte Strauss.

Ex-RTL-Chef ist als Treuhänder akzeptiert

Treuhänder für die Aktien ist der frühere RTL-Chef Helmut Thoma, der bereits seit mehreren Jahren Aufsichtsratsmitglied von Mobilcom ist. Thoma hatte im Gespräch mit manager-magazin.de erklärt: "Es wäre ein unklug, Mobilcom untergehen zu lassen. Das Unternehmen verfügt über ausgezeichnete Chancen am Markt."

Benennt France Telecom einen eigenen Treuhänder?

Benennt France Telecom einen eigenen Treuhänder?

Nach Informationen aus Verhandlungskreisen gegenüber manager-magazin.de ist jetzt zu erwarten, dass France Telecom ebenfalls einen Treuhänder benennt - für das Aktienpaket (28,5 Prozent) des halbstaatlichen Konzerns an Mobilcom.

Eine positive Einschätzung zur gelösten Treuhänderfrage gab Matthias Quartisch, Sprecher der Mobilcom AG  am Donnerstag abend: "Die Insolvenz dürfte damit jetzt vom Tisch sein." Im TV-Sender N24 sagte Quaritsch auf die Frage, ob er zuletzt noch an die gütliche Lösung geglaubt habe: "Die Logik sprach dafür. Denn bei einer Insolvenz hätten alle verloren - inklusive Herrn Schmid."

Die Bundesregierung begrüßte in einer Stellungnahme "die positive Entscheidung von Herrn Schmid". Nähere Details zu den nun zu erwartenden weiteren finanziellen Hilfen wurden nicht genannt. Aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen hieß es, die weitere Finanzierung werde in jedem Fall über die KfW und ein Bankenkonsortium geschehen und werde sich auf mehr als 100 Millionen Euro belaufen.

Einige Punkte des Vertrags geändert

Einige Punkte des Vertrags geändert

Akut von der Insolvenz bedroht war der Mobilfunkkonzern in den vergangenen Wochen. Mehrfach hatte es so ausgesehen, als ob Schmids Forderungen vom Wirtschaftsministerium nicht zu akzeptieren seien. Und mehrfach hatte es geheißen, das Geld bei Mobilcom reiche nur noch für einen Tag.

In Büdelsdorf hatten Mitarbeiter noch vor wenigen Tagen ein wenig schmeichelhaftes Porträtfoto von Schmid auf Plakaten in die Höhe gehalten: "Unterschreibe!!!" lautete die in großen Lettern gedruckte Aufforderung darunter an den Ex-Chef.

Der hat jetzt offenbar einige Punkte des Vertrags in seinem Sinne ändern können. So hieß es zum Zeitpunkt der Demonstrationen noch, Schmid müsse laut Vertrag eine Schuld von 71 Millionen Euro aus einem umstrittenen Aktien-Geschäft mit der Firma seiner Frau Sybille Schmid-Sindram (Millennium) begleichen.

Schmid wollte, dass die strittige Frage vor einem Gericht geklärt wird - und konnte einen solchen Passus offenbar durchsetzen.

Schmid-Sindram darf über private Aktien frei verfügen

Der Vertrag erstreckt sich jetzt auf das gesamte Aktienpaket von Schmid (etwa 32 Prozent) und die rund acht Prozent der Aktien im Besitz der Millennium GmbH. Ein Aktienpaket von ein bis drei Prozent, das Sybille Schmid-Sindram privat besitzt, ist von dem Treuhändervertrag nicht betroffen.

Auch in der Frage, wer Treuhänder des Schmidschen Aktienpakets werde, hatte es tagelang keinen Konsens gegeben. Der RTL-Gründungschef Thoma war erst am Morgen der Entscheidung von Verhandlungskreisen ins Spiel gebracht worden.

Helmut Thoma: Fester Wille, steile Karriere Mobilcom: Der Rettungsanker?

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