Lufthansa Fracht-Flaute

Passagierzahlen rauf, Frachtraten runter - und die Tarifverhandlungen sind festgefahren.

Frankfurt/Main – Die Flugangst scheint verflogen: Die Lufthansa hat im Oktober bei der Luftfracht zwar Einbußen verzeichnet, bei den Passagierzahlen aber zugelegt.

Wie der Konzern am heutigen Montag in Frankfurt mitteilte, stieg die Zahl der Fluggäste im Oktober im Jahresvergleich um neun Prozent auf 4,1 Millionen. Damit habe der sogenannte Sitzladefaktor 74,6 Prozent erreicht. Der Oktober 2001 war allerdings stark von den Terroranschlägen in den USA am 11. September belastet.

Den Rückgang bei der Fracht im Oktober um 2,6 Prozent auf 145.000 Tonnen begründete die Lufthansa mit der schwachen Konjunktur.

Analyst: Risiken bei Personal und Treibstoffpreisen

Goldman Sachs hat die Lufthansa-Aktie am heutigen Montag von "outperform" auf "in-line" herabgestuft. Den Gewinn pro Aktie hob das Research für 2002 zwar von 1,11 auf 1,56 Euro an. Für das nächste Jahr werden aber nur noch 66 statt 67 Eurocent erwartet.

Die Fluggesellschaft solle ihre Kapazität bei anhaltend schwacher Nachfrage reduzieren, rät Goldman Sachs. In den ersten neun Monaten hätten die sinkenden Kosten noch zu steigenden Gewinnen geführt. Wegen höherer Treibstoffpreise und steigender Personalkosten könnten die Ausgaben aber wieder wachsen.

Frachtrate steigt in Asien, sinkt in Europa und den USA

In den ersten zehn Monaten 2002 sank die Transportleistung bei der Frachttochter Lufthansa Cargo im Jahresvergleich um 2,1 Prozent auf 1,35 Millionen Tonnen. Zuwächse gab es lediglich in Asien und dem Pazifik, in Europa und vor allem Amerika brach das Frachtaufkommen ein.

Bei den Passagierzahlen verzeichnete die größte deutsche Fluglinie im Oktober 100.000 Fluggäste als im September - mit 4,2 Millionen wurden im September soviele Flugreisende befördert wie seit einem Jahr nicht mehr. Durch die Verlagerung von Europa-Verkehr auf Eurowings sind die Passagedaten allerdings laut Lufthansa nur bedingt mit dem Vorjahr vergleichbar.

So sank die Zahl der Passagiere im Vergleich zum Oktober 2000 im Oktober 2002 allerdings um 5,5 Prozent. In den ersten zehn Monaten 2002 verzeichnete die Lufthansa im Jahresvergleich einen Rückgang um 6,1 Prozent auf 37,1 Millionen Fluggäste.

Tarifverhandlung festgefahren - neun Prozent gefordert

Bei den Tarifverhandlungen für die rund 52.000 Lufthansa-Beschäftigten am Boden und in der Kabine hat sich bis Montagabend keine Annäherung abgezeichnet. Die Vertreter des Unternehmens und der Gewerkschaft hätten bei den Gesprächen in Mörfelden bei Frankfurt am Main lediglich die jeweiligen Positionen noch einmal ausgetauscht, sagte eine Ver.di-Sprecherin.

Die Gewerkschaft fordert neun Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Erfolgsbeteiligung. Die Lufthansa hat die Forderung bereits als nicht finanzierbar zurückgewiesen.

Das Unternehmen wollte keine Angaben zu den Verhandlungen machen. Früheren Angaben der Lufthansa zufolge würde die Erfüllung der Gewerkschaftsforderung eine "massive Gefährdung von Arbeitsplätzen" bedeuten.

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