Fairchild Dornier Ex-Vorstand prangert "massive Managementfehler" an

Vor vier Jahren gefeuert - heute will Ex-Vorstand Earl Robinson den Konzern kaufen.

Oberpfaffenhofen - Das einstige Vorstandsmitglied des insolventen Flugzeugbauers Fairchild Dornier, Earl Robinson, hat das gescheiterte Management kritisiert.

Nicht das 728-Jet-Programm habe das Unternehmen in den Ruin getrieben, sondern haarsträubende Management-Fehler in der Entwicklungsarbeit, zitiert die "Süddeutsche Zeitung".

Der frühere Fairchild-Dornier-Entwickler war erst vergangene Woche in den Bieterwettbewerb eingestiegen. Er will den Gesamtbetrieb übernehmen.

Seit April in der Insolvenz

Wie es in dem Bericht weiter hieß, glaubt Robinson, der 1998 seinen Vorstandsposten bei dem Flugzeugbauer verlor, den Jet 728 für 400 Millionen US-Dollar innerhalb von 30 Monaten fertig entwickeln zu können. Nach früheren Unternehmensangaben sind bis zur Serienreife der neuen Regionaljet-Generation Investitionen von bis zu einer Milliarde US-Dollar nötig.

Insolvenzverwalter Eberhard Braun sagte, die Bieter hätten sehr unterschiedliche Ansichten über den nötigen Betrag für die Fertigstellung des Programms. Fairchild Dornier hatte im April 2002 Insolvenz angemeldet. Der "SZ“ zufolge plant Robinson, das Flugzeug mit einem neuen, größeren Flügel zu versehen, der für alle drei Versionen der geplanten Familie verwendet werden könne. So würden die Gesamtkosten gesenkt.

Lufthansa-Einstieg entscheidend für das Überleben

Ausschlaggebend für den Erfolg sei, dass die Lufthansa  wieder einsteige: "Ohne sie ist das Programm tot“, sagte Robinson der "SZ“. Anders als das vorherige Management wolle Robinson nur 200 bis 300 zusätzliche Ingenieure einstellen. Vor der Insolvenz hatten der Zeitung zufolge mehr als 1000 Mitarbeiter im 728-Programm gearbeitet.

Robinson hatte mit seiner Firma Alliance Aircraft bislang nur für den Teilbereich der Produktion des kleineren 328-Jets geboten, den er selbst mitentwickelt hatte. Jetzt will er Fairchild Dornier als Gesamtbetrieb übernehmen. Branchenkreise zweifelten jedoch daran, dass Robinson ausreichende Bankgarantien vorlegen könne.

Bereits bei seinem Teilgebot habe er damit Schwierigkeiten gehabt. Über die Höhe des gebotenen Preises machte Robinson keine Angaben. Er sagte lediglich: "Ich bin bereit, einen fairen Preis zu bezahlen." Robinson sprach außerdem von "interessierten Investorenkreisen" für das Unternehmen, mit denen er Gespräche führen würde. Drei Bieter - Angebote bis zum 20. November erwartet

Wie Insolvenzverwalter Braun sagte, müssen die konkreten Übernahme-Angebote bis zum 20. November vorliegen. Zu den Aussichten der drei Bewerber um den Gesamtbetrieb sagte der Jurist lediglich: "Jeder hat die gleiche Chance."

Robinson konkurriert einerseits mit einem russischen Konsortium um den Aluminiumkonzern Basic Element und den Irkut Flugzeugwerken, andererseits mit der neu gegründeten Schweizer Aviation Finance Consulting (AFC), hinter der offenbar Ex-Dornier-Geschäftsführer Heider Heydrich steht. Die Entscheidung über die Zukunft von Fairchild Dornier soll am 2. Dezember fallen. Zum 1. Januar 2003 will Insolvenzverwalter Braun das Unternehmen in neue Hände übergeben.

Fairchild Dornier: Warum die Hoffnung wächst

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