Rolf-E. Breuer "Alles andere als optimistisch"

Der wiedergewählte Bankenpräsident erhebt schwere Vorwürfe gegen die Politiker aller Couleur. Breuer fordert Sparkassen und Volksbanken zur Kooperation auf.

Frankfurt – Der amtierende und nach seiner Wiederwahl am Montag auch künftige Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Rolf-E. Breuer, hat auf der diesjährigen Herbstpressekonferenz des BdB nicht mit Kritik gespart.

"Der Blick auf die wirtschaftliche Lage in Deutschland stimmt alles andere als optimistisch", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank . Auch für das kommende Jahr erwarte der BdB lediglich ein Wachstum von einem Prozent. Die Bundesregierung tue in seinen Augen zu wenig und kuriere "lediglich an den Symptomen". Dem Koalitionsvertrag sprach er das Potenzial ab, Wachstum und Reformen zu garantieren. Breuer warnte in Frankfurt außerdem vor einer Aufweichung der Stabilitätskriterien. Dies halte er für den "falschen Weg".

Scharfe Worte fand Breuer auch für die Pläne zur Besteuerung von Kapitalerträgen und Veräußerungsgewinnen aus Wertpapieren und vermieteten Immobilien. Bei einer uneingeschränkten Besteuerung wären Nachteile für die Altersvorsorge und eine enorme Bürokratie nicht zu vermeiden.

"Wir haben keine Liquiditätskrise"

Mit der Kritik an der eigenen Branche hielt sich Breuer, der entgegen den üblichen Usancen auch als ehemaliger Vorstandssprecher dem BdB bis 2005 vorstehen wird, zurück. "Die deutsche Kreditwirtschaft kämpft derzeit mit Ertrags- und Kostenproblemen. Was wir dagegen nicht haben ist eine Krise im Sinne fehlender Liquidität", sagte Breuer. Über die zu machenden "Hausaufgaben" hinaus, die für ihn immerhin die Überprüfung von Geschäftsmodellen, Strategien, Produktpaletten und Vertriebswegen umfassen, griff Breuer vor allem sein Lieblingsthema auf. Deutschland sei immer noch "overbanked" und "overbranched".

Zusammenschlüsse von Kreditinstituten seien dringend geboten. Breuer wiederholte seine Kritik am dreigliedrigen Banksystem und nannte die strikte Abgrenzung einen "Bremsklotz". Auch in dieser Frage machte der Bankenpräsident die Politiker als Schuldige aus, die "unabhängig von Parteiausrichtung“ eine Reform blockieren würden. Breuer erneuerte sein Angebot an die Sparkassen-Organisation und die Genossenschaftsbanken, bei der Wertpapierabwicklung und anderen Back-Office-Aktivitäten zu kooperieren.

Trotz seiner Kritik an den Hartz-Plänen, die seiner Meinung nach bei weitem nicht ausreichten, konnte auch Breuer keine Alternative anbieten. Im Gegenteil: Die Zahl der Arbeitsplätze ("so bitter dies ist") müsse im Bankgewerbe weiter reduziert werden. Kämen in Frankreich und Italien auf jeden Bankangestellten 157 beziehungsweise 170 Einwohner, seien es in Deutschland nur 109.

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