Gilde Ausverkauf

Des Kanzlers Heimatbier bald in fremder Hand? Die Aktionäre der Hannover Traditionsbrauerei wollen verkaufen. Offen ist aber noch, an wen das Unternehmen veräußert wird. Als Kandidaten stehen Interbrew, Heineken und die South African Brewery bereit.

Hannover - Hannovers Traditionsbrauerei Gilde soll vermutlich bis zum Jahresende an einen ausländischen Konzern verkauft werden. "Diese Tendenz besteht bei einem Großteil der Aktionäre", sagte der Vorstand der Gilde Brauerei AG, Michael Beck, der Nachrichtenagentur DPA. "Weil Gilde sehr gut verdient, ist auch ein sehr guter Preis zu erzielen."

Bisher handele es sich aber nur um eine Absichtserklärung der Mehrheit der Aktionäre, ein bindendes Kaufangebot liege noch nicht vor. "Aber große ausländische Konzerne interessieren sich für uns", sagte Beck. Zudem setzt die für kommendes Jahr geplante Besteuerung von Aktiengewinnen die Gilde-Eigner unter Zeitdruck.

Als Favorit für die Übernahme wird der belgische Konzern Interbrew gehandelt, im Rennen sind aber auch die niederländische Heineken-Gruppe und die South African Brewery. Weder Beck noch ein Interbrew-Sprecher bestätigten, dass die Übernahme durch die Belgier bereits vereinbart sei.

Interbrew holt sich Beck's und Diebels

Die Interbrew braut Bier in mehr als 80 Ländern und hat bereits die deutschen Brauereien Beck's und Diebels gekauft. Eine Entscheidung über einen Gilde-Verkauf könnte bereits am 15. November auf einer Aktionärsversammlung fallen. Die Aktien sind vorwiegend im Besitz von alteingesessenen Familien in Hannover.

Neben dem erhofften Spitzenpreis treibt die Aktionäre die geplante Besteuerung von Aktien-Gewinnen von Januar an zur Eile. "Die Steuerreform hat bei den Eigentümern eine große Dynamik ausgelöst", sagte Beck. Ein möglicher Verkauf solle deshalb noch in diesem Jahr steuerfrei abgewickelt werden.

Die Gilde-Gruppe mit den Marken Gilde, Hasseröder und Wolters gehört bei mehr als 4,4 Millionen Hektolitern Bier-Ausstoß zu den Top fünf der deutschen Brauereiwirtschaft. 2001 erzielte sie mit rund 900 Mitarbeitern 306 Millionen Euro Umsatz und einen Überschuss von 20 Millionen Euro.