Mobilcom Verhandlungen stocken

Hat Gerhard Schmid in Joachim Dreyer einen Treuhänder für seine Aktien gefunden? Unterdessen verzögern sich die Verhandlungen über die Rettung des Telefonunternehmens weiter. Schmid und das Bundeswirtschaftsministerium können sich nicht auf einen Vertrag einigen.

Hamburg – Ex-Mobilcom -Chef Gerhard Schmid und die Bundesregierung sind sich weiterhin uneinig über einen Treuhändervertrag. Auch am Wochenende konnte noch keine Lösung für das angeschlagene Mobilfunkunternehmen gefunden werden.

Die Bundesregierung lehnte am Samstag erneut Änderungen an dem Vertrag von Schmid ab, mit dem der Firmengründer seine Mobilcom-Anteile auf einen Treuhänder übertragen will. Schmid hatte den zuvor zwischen beiden Seiten ausgehandelten Vertrag, der als Voraussetzung für einen Kompromiss mit Noch-Anteilseigner France Telecom  gilt, nach Darstellung des Bundeswirtschaftsministeriums am Vorabend einseitig abgeändert und dann unterzeichnet.

Schmid weist Kritik der Bundesregierung zurück

Um welche Vertragsänderungen es sich dabei handelte, wurde zunächst nicht bekannt. Schmid wies die Kritik der Regierung zurück. Beide Seiten bekräftigten aber zugleich ihre Bereitschaft, weiter nach einer Lösung zu suchen. Der Treuhänder kann erst eingesetzt werden, wenn die Regierung den Vertragsentwurf ebenfalls unterzeichnet hat.

Wie die "Welt" vorab berichtet, ist der Treuhändler, den Schmid einsetzen will und dessen Namen er bislang noch nicht genannt hat, der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Telekommunikations-Dienstleisters Debitel, Joachim Dreyer. Der Manager ist derzeit amtierender Präsident des Branchenverbandes VATM.

Schmid betonte in einer am Samstag verbreiteten Erklärung, in dem von ihm am späten Freitagabend an das Bundeswirtschaftsministerium gesandten Vertrag seien alle Änderungswünsche des Ministeriums eingearbeitet worden. "Wie der Ministeriumssprecher diesen Vertrag einen "anderen Vertrag" nennen kann, ist mir vollkommen unerklärlich", teilte er mit. Auf die von ihm vorgenommenen Veränderungen an dem Vertragstext ging er dabei nicht näher ein.

Trotz der momentanen Uneinigkeit über den Vertragsentwurf betonten sowohl Schmid als auch das Berliner Wirtschaftsministerium, weiter nach einer Lösung suchen zu wollen. Eine Sprecherin Schmids sagte: "Unter vernünftigen Menschen muss man eine Lösung finden. Man wird weiter miteinander reden." Ob dies noch am Wochenende geschehen werde, sei allerdings offen.

Das lange Warten auf eine Lösung

Die Übertragung der Mobilcom-Anteile von knapp 50 Prozent im Besitz von Schmid und seiner Ehefrau Sybille gilt als Voraussetzung für einen Kompromiss mit dem französischen Telefonkonzern France Telecom. Dieser hat zwar grundsätzlich zugesagt, Mobilcom-Schulden von annähernd sieben Milliarden Euro übernehmen zu wollen. Nach monatelangem Streit mit Firmengründer Schmid über finanzielle Verpflichtungen aus einem Kooperationsabkommen für den UMTS-Aufbau will der Konzern aber offenbar erreichen, dass Schmid keinen Einfluss mehr auf Mobilcom nimmt.

Auf einem Krisengipfel zur Abwendung der Insolvenz von Mobilcom im September hatten alle Beteiligten zugesagt, rechtliche Streitigkeiten einzustellen, um einen Kompromiss zu ermöglichen. Schmid sagte dabei zu, seine Anteile auf einen Treuhänder zu übertragen. Die Bundesregierung vermittelte ein Finanzpaket von zwei öffentlichen Banken, mit dem Mobilcom vor einer Insolvenz gerettet werden soll.

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