Deutsche Telekom Stärke durch Gemeinsamkeit

Jetzt wird es eng für die Deutsche Telekom - US-Richter genehmigen in den Staaten eine Sammelklage von einigen tausend Anlegern.

Bonn/New York - Im Rechtsstreit zwischen Aktionären in den USA und der Deutschen Telekom (Kurswerte anzeigen) um angeblich unvollständige Börsenprospekte haben die Anteilseigner nun den Status von Sammelklägern erhalten.

Ein Bundesgericht im Staat New York entschied einer am späten Mittwochabend veröffentlichten Entscheidung zufolge, dass eine im vergangenen Jahr im Namen von mehreren tausend Klägern eingereichte Klage in einem einzigen Verfahren fortgeführt werden kann. Damit hat das Verfahren den Status einer so genannten Sammelklage.

Anwalt zeigt sich zuversichtlich

Rechtsexperten schätzen die formale Zulassung zur Sammelklage als grundsätzlich positiv für die Kläger ein. Das Gericht signalisiere mit der Zulassung als Sammelklage, dass die Klagen nicht gänzlich abwegig seien, sagte ein in den USA ansässiger Rechtsanwalt.

Hingegen bestritt die Telekom, dass das Gericht mit seiner Entscheidung Aussagen über die Klageaussichten gemacht habe. "Dabei handelt es sich um eine rein formale Anordnung", sagte ein Telekom-Sprecher. Zudem bestreite man erneut, falsche Börsenprospekte veröffentlicht zu haben.

Im Gegensatz zu den USA sind in Deutschland Sammelklagen unbekannt. Bei einer Sammelklage werden gleichartige Fälle zu einer Klage zusammengefasst und entschieden, während in Deutschland jeder Kläger seine Forderungen in getrennten Verfahren durchsetzen muss.

Voicestream-Deal im Fokus der Kritik

Mehrere tausende US-Aktionäre der Telekom haben das Unternehmen vor allem deswegen verklagt, weil der Aktienkurs seit dem Frühjahr 2000 bis zum Zeitpunkt der Klageerhebung um rund 90 Prozent eingebrochen war. Als Grund für den Einbruch sehen die Anteilseigner die Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream Mitte 2001 und Wertberichtigungen beim Immobilienvermögen der Telekom. Der Konzern habe dem Finanzmarkt diese bevorstehenden kursmindernden Ereignisse bei der Emission von eigenen Aktien im Jahr 2000 verschwiegen, argumentieren die Kläger.

Wegen angeblich falscher Börsenprospekte sind auch in Deutschland mehrere Aktionärsklagen auf Schadensersatz anhängig. Bisher ist in Deutschland kein einziger Fall bekannt geworden, in dem Anleger Schadensersatz bekommen haben.

CEO-Suche jetzt mit Headhunter

Auch ein mit der Materie vertrauter US-Anwalt stuft die Beweisführung der Kläger als schwierig ein. Denn es müsse bewiesen werden, dass die Telekom die laufenden Übernahme-Verhandlungen mit VoiceStream bewusst und wider besseren Wissens in den Emissionsprospekten verschwiegen habe. Bei Bekanntwerden der Übernahmeverhandlungen hätte die Gefahr bestanden, dass Fusionsverhandlungen geplatzt wären.

Unterdessen geht die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für den Vorstandsvorsitz der Telekom weiter. Um die Suche zu beschleunigen, wurden nun auch Headhunter involviert. Die Kölner Personalberatungsgesellschaft IFP bestätigte am Donnerstag auf Anfrage, von dem Bonner Konzern mit der Kandidatensuche beauftragt worden zu sein.

Namen werden nicht genannt

Mögliche Namen wollte Geschäftsführer Jörg Will allerdings nicht nennen. "Wir bemühen uns, die Unruhe nicht noch zu verstärken", sagte er. Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus hatte kürzlich angekündigt, voraussichtlich im Dezember einen Nachfolger für den im Juli abgelösten Ron Sommer präsentieren zu wollen.

Die Suche gestaltet sich aber offenbar schwierig: Namhafte Kandidaten sagten angeblich reihenweise ab, unter ihnen in der jüngsten Zeit der Post-Vorstandsvorsitzende Klaus Zumwinkel und seine Kollegen von Infineon  und Swisscom, Ulrich Schuhmacher und Jens Alder.

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