Sparkassen "Keiner ist so rentabel wie wir"

DSGV-Präsident Dietrich Hoppenstedt will keine Fusion mit Privat- oder Volksbanken.

Frankfurt - Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Dietrich Hoppenstedt, hat trotz der andauernden Branchenkrise einer engeren Zusammenarbeit oder Fusionen mit privaten Banken eine "klare Absage" erteilt. Die Sparkassen seien nicht zu einer vom Bundesverband deutscher Banken (BdB) geforderten Konsolidierung des gesamten Kreditgewerbes über die einzelnen Institutsgruppen hinweg bereit, sagte Hoppenstedt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Auch zwischen Sparkassen und Volksbanken wird es keine Fusionen im großen Stil geben", sagte er in der Montagausgabe der Zeitung.

Von der derzeitigen Krise seien vor allem Geldhäuser mit starkem Auslandsgeschäft betroffen, die sich vor allem im Investmentbanking engagiert hätten, sagte Hoppenstedt. Bei einigen Banken, die neben einer schlechten Ertragslage auch keine ausreichende Verankerung im deutschen Markt hätten, gebe es sicher kritische Zuspitzungen. Er warnte jedoch davor, Institute gezielt schlecht zu reden, um "eigene Konsolidierungsziele" zu verfolgen.

Über die eigenen Kreditinstitute sagte Hoppenstedt: "Keine Bankengruppe ist seit 1999 so rentabel wie die Sparkassen." Die Cost-Income-Ratio liege mit 65 bis 67 Prozent deutlich unter den Werten der meisten Großbanken.

Eine Zusammenarbeit zwischen Sparkassen und privaten Banken sei daher nur dann sinnvoll, wenn die Sparkassen auch einen Nutzen davon hätten. DSGV-Primus Hoppenstedt nannte als mögliche Kooperationsbereiche die technische Abwicklung von Finanzdienstleistungen.

Eine Gemeinschaftslösung, zum Beispiel bei der Wertpapierabwicklung, ist aber auch innerhalb des DSGV kein Selbstläufer. Seine Bank habe die Erfahrung gemacht, dass andere Landesbanken Furcht vor einer Übernahme hätten, wenn man von Kooperationen spreche, beschrieb Jürgen Sengera, Vorstandsvorsitzender der WestLB, Anfang des Monats die aktuelle Situation innerhalb des Verbands. Dies habe in der Vergangenheit zum Abbruch weiterer Überlegungen geführt. "In dieser Hinsicht herrscht in Deutschland unverändert der Kantönligeist", sagte Sengera der "Börsen-Zeitung".

Hintertürchen zu den Volksbanken offen gelassen

Neben den Befindlichkeiten innerhalb der öffentlich-rechtlichen Banken stehen auch unterschiedliche strategische Ausrichtungen einer einheitlichen Linie im Sparkassen-Lager entgegen. So übernahm die Landesbank Baden-Württemberg im vergangenen Jahr die Mehrheit bei der Baden-Württembergischen Bank (BW Bank). Die BW Bank, obwohl mittlerweile zu fast 90 Prozent im öffentlichen Besitz, wird weiterhin in der Rechtsform einer privatrechtlichen AG geführt und ist damit auch Mitglied in eben dem von Hoppenstedt wegen seiner Fusionsangebote kritisierten BdB.

Immerhin ließ Hoppenstedt mit seiner Formulierung "keine Fusion im großen Stil" ein kleines Türchen in Richtung Volks- und Raiffeisenbanken offen. Vor einigen Jahren war die Sprachregelung in dieser Frage noch eindeutiger. Das oberfränkische Marktredwitz erlangte vor drei Jahren innerhalb der Branche Berühmtheit, als die dortige Sparkasse mit der örtlichen Volksbank fusionieren wollte, aber am Widerstand der Verbände scheiterte.

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