Deutsche Post Schlucken im Express-Tempo

Vorstandschef Zumwinkel will bis Jahresende das letzte Viertel von DHL kaufen - zum kleinen Preis. Für die Anteile will er deutlich weniger zahlen als für ein Anteilspaket der Lufthansa vereinbart wurde.

Hamburg - Die Deutsche Post  wird den Expressdienst DHL International noch in diesem Jahr nahezu vollständig übernehmen. Dies ist nach den Worten eines Post-Sprechers gegenüber manager-magazin.de das erklärte Ziel des Vorstandsvorsitzenden Klaus Zumwinkel. Auf rund 400 Millionen Euro schätzt Zumwinkel den Preis für weitere 23 Prozent des Zustelldienstes.

Dem Geschäft haben die bisherigen Anteilseigner, ein asiatischer Investmentfonds sowie eine Fondstochter der Westdeutschen Landesbank (die Fonds Exeter und Chester halten zusammen knapp 23 Prozent), angeblich bereits zugestimmt, meldet die "Financial Times Deutschland".

Insgesamt würde die Post damit 98,6 Prozent des Expresskuriers mit Sitz in Brüssel kontrollieren. Die übrigen 1,4 Prozent hält die Japan Airlines , Tokio, die einen Verkauf ihres Anteils bislang angeblich noch ablehnt. "Wir führen aber weiterhin Gespräche mit Japan Airlines zu diesem Punkt", sagte Post-Sprecher Uwe Bensien gegenüber manager-magazin.de.

Gegenwärtig prüft die EU-Kommission die jüngsten Akquisitionsschritte der Post. Dabei geht es um die Übernahme eines DHL-Anteils von 25 Prozent, den die Lufthansa  zum Preis von 550 Millionen Euro verkaufen will. Beide Parteien haben einen Vertrag dazu bereits unterzeichnet. Kommt die Genehmigung der EU-Kartellkommission dazu, greifen die Abmachungen.

Ein Detail des Vertrags ist ein sogenannter "Besserungsschein", der der Lufthansa eine Summe von 60 Millionen Euro garantiert, falls der Post-Kurs ein bestimmtes Niveau innerhalb einer festgelegten Zeitspanne überschreitet. Präzise Vertragsdetails zu diesem Punkt wurden allerdings nicht genannt.

Klar ist aber, dass die Lufthansa im günstigen Fall knapp 50 Prozent pro DHL-Anteilsschein mehr kassiert als Zumwinkel jetzt den Investmentfonds bietet. Hier stehen 550, beziehungsweise 610 Millionen Euro für 25 Prozent einem Angebot von 400 Millionen für 23 Prozent gegenüber.

Anfang kommender Woche will Wettbewerbskommissar Mario Monti seine Entscheidung zum Kauf des Lufthansa-Pakets bekannt geben. "Die Untersuchungen dazu in Brüssel laufen noch, wir gehen aber von einem positiven Bescheid aus", sagte Bensien.

Aus Kommissionskreisen zitiert die FTD am heutigen Donnerstag, dass Monti die DHL-Mehrheitsbeteiligung der Post von bislang gut 75 Prozent absegnen werde. Die erneute Aufstockung des Anteils auf fast oder komplett 100 Prozent werde keine erneute Prüfung nach sich ziehen.

Post: Filialschließungen - Den Spielraum nutzen

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