Procter & Gamble "Eine interessante Marke"

Der US-Konsumgüterkonzern könnte sich einen Einstieg bei Wella durchaus vorstellen.

Frankfurt - Alan Lafley (55), CEO von Procter & Gamble (P&G) , hat den Hersteller von Haarfärbe- und Pflegeprodukten Wella  als eine "interessante Marke" bezeichnet. Eine mögliche Übernahme durch den Konkurrenten Henkel (Kurswerte anzeigen) sei für ihn wegen des hohen Potenzials der Marke gerade im Geschäft mit Friseursalons nachvollziehbar, sagte Lafley in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

Laut Medienberichten bietet Henkel rund fünf Milliarden Euro für die Übernahme von Wella. Henkel hatte die Berichte über ein Übernahmeangebot nicht kommentiert. Henkel äußere sich nicht zu Marktgerüchten, sagte eine Sprecherin am Montag.

Der US-Konsumgüter-Konzern (Tempo, Pampers, Ariel, Pringles) selbst will jedes Jahr vier bis sechs Prozent wachsen und sei daher immer an starken Marken interessiert, sagte der P&G-Chef in der Donnerstagsausgabe der Zeitung zu Gerüchten über eine mögliche Übernahme von Wella durch sein Unternehmen.

Japanische Verhältnisse in Deutschland

P&G wird Lafley zufolge auch künftig auf "Blockbuster-Produkte" als Kern der Wachstumsstrategie setzen. Als Blockbuster gelten Produkte mit einem jährlichen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar. Er könne sich gut vorstellen, dass in den kommenden fünf Jahren drei bis vier weitere Marken in diese Größe hineinwachsen, heißt es weiter. Produktnamen wollte Lafley mit Blick auf die Konkurrenz in diesem Zusammenhang jedoch nicht nennen.

Den deutschen Markt schätzt Lafley als einen der schwierigsten der Welt ein – sowohl für die Hersteller als auch für den Einzelhandel. Er verglich gegenüber der FAZ die Situation mit der in Japan. Dort habe P&G die ersten zehn Jahre nach Markteintritt nur Geld verloren.

"Aldi ist ein Phänomen"

In Deutschland arbeite man aber profitabel. Die deutschen P&G-Töchter steuerten im vergangenen Jahr 2,7 Milliarden Euro zum weltweiten Umsatz von gut 40 Milliarden Dollar bei.

Lafley, der seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren fast 10.000 der rund 100.000 Mitarbeiter bei P&G abgebaut hat, sieht als seinen größten Herausforderer auf dem deutschen Markt die Discount-Ketten. "Aldi ist ein Phänomen", zollt er den Albrecht-Brüdern seinen Respekt, da sie die Idee vom Preis-Leistungs-Verhältnis verinnerlicht hätten.

Wella übertrifft Erwartungen

Bei Wella trotzt man allen Spekulationen mit positiven Nachrichten. Die zurzeit von allen Seiten umworbenen Darmstädter legten heute ihre Quartalszahlen vor. "Das hört sich alles gut an", sagte ein Analyst. Der Umsatz stieg um 10,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro und fiel damit im Rahmen der Planungen aus.

Alle drei Sparten des traditionsreichen Familienunternehmens legten nach den Angaben in den ersten drei Quartalen bei den Erlösen zu. Negative Wechselkursentwicklungen beim brasilianischen Real, beim japanischen Yen und beim US-Dollar hätten die Umsatzbilanz indes belastet, hieß es.

Im Friseurgeschäft, dem größten Bereich der Gruppe, habe das Umsatzwachstum bereinigt um Währungseffekte 8,2 Prozent betragen. Damit diese Sparte das Branchenwachstum erneut übertroffen, hieß es.

Beiersdorf hat Priorität

Dass P&G ein Bietergefecht um Henkel eröffnen werde, ist aber unwahrscheinlich. Gelten die Amerikaner doch als aussichtsreichster Kandidat für den Zuschlag des 43,6-Prozent-Anteils der Allianz  am Nivea-Hersteller Beiersdorf . Ein Angebot soll dem Münchener Versicherungsriesen schon vorliegen.

Beiersdorf hatte vor einigen Monaten versucht, sich durch die Übernahme von Clairol, die im vergangenen Jahr noch zum Pharmakonzern Bristol-Myers-Squibb gehörte, stark zu vergrößern - auch, um anschließend gegen eine feindliche Übernahme besser gewappnet zu sein. Damals unterlag Beiersdorf in der Bieterphase ausgerechnet Procter & Gamble, die fünf Milliarden Dollar für den Haarpflegespezialisten zahlten.

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