Mobilcom "Eine Rettung ist unwahrscheinlich"

Der Aktienkurs der Büdelsdorfer AG fährt Achterbahn, und immer noch ist offen, wie es mit dem Konzern langfristig weitergeht. Analyst Robert Vinall von der DZ Bank beurteilt die Zukunfts-Perspektiven skeptisch.
Von Clemens von Frentz

mm.de:

Herr Vinall, am heutigen Montag-Morgen machte die Mobilcom-Aktie  einen Sprung von über 30 Prozent, nachdem zu hören war, dass France Telecom  sich bereit erklärt habe, den Büdelsdorfern eine Kapitalspritze zu gewähren und ihre Schulden zu übernehmen. Wie ist ihre Einschätzung der aktuellen Situation?

Vinall: Zunächst muss man natürlich sagen, dass es sich bei den heutigen Meldungen vor allem um Gerüchte handelt. Ansonsten ist die Lage während der letzten Monate weitgehend unverändert geblieben. France Telecom hat gewisse Verpflichtungen gegenüber Mobilcom, und man muss davon ausgehen, dass hinter den Kulissen heftig über diese Verpflichtungen diskutiert wird. Es ist zwar positiv, dass immer noch Verhandlungen laufen, aber eine Lösung ist da für mich kaum in Sicht.

mm.de: Sehen Sie noch eine Chance für eine Einigung zwischen den zwei Parteien?

Vinall: Ich kann momentan nicht sehen, wie es zu dieser Einigung kommen sollte. Der Vorstand von France Telecom scheint immer noch der Ansicht zu sein, dass er ohne Zahlungen aus dieser Geschichte herauskommt, weil die Anteile von Mobilcom quasi wertlos sind. Wie es um die Zahlungsverpflichtungen faktisch bestellt ist, lässt sich schwer beurteilen.

Einerseits glaube ich schon, dass France Telecom diese Zahlungsverpflichtungen hat, andererseits behauptet der Konzern seit Monaten das Gegenteil. Dass man da jetzt eine Lösung findet, ist sehr unwahrscheinlich. Ohne eine Einigung ist Mobilcom allerdings zur Insolvenz verdammt.

mm.de: Das klingt, als hielten Sie eine Rettung von Mobilcom für unwahrscheinlich.

Vinall: Die staatlichen Mittel haben Mobilcom vorübergehend gerettet, aber eben nur kurzzeitig. Mittelfristig ist das Unternehmen in seiner jetzigen Form nicht überlebensfähig. Allerdings bin ich schon sicher, dass die Firma in irgendeiner Form weiter existieren wird. Mobilcom ist relativ groß, der Markenname ist ziemlich bekannt, und vor allem: Das Kerngeschäft ist weitgehend gesund. Derzeit schreibt der Konzern zwar minimal rote Zahlen, aber das bekäme man mit Restrukturierungsmaßnahmen sofort in den Griff.

Was spricht für eine Übernahme?

mm.de: Halten Sie eine Übernahme von Mobilcom durch einen größeren Konkurrenten für wahrscheinlich?

Vinall: Mobilcom wäre durchaus für einige Mobilfunk-Konzerne interessant, zum Beispiel für Debitel oder T-Mobile. Davon hätten die Kleinanleger, die jetzt noch drin sind, allerdings vermutlich nichts.

mm.de: Was raten Sie den Anlegern? Ist ein Einstieg aktuell sinnvoll?

Vinall: Die Mobilcom-Aktie ist im Augenblick ein extrem spekulatives Investment, da sind vor allem Zocker und Spieler am Werk. Das ist wie beim Traden mit Optionsscheinen. Für einen klassischen Aktionär ist das momentan kein Thema.

mm.de: Mobilcom hat einen Großteil seiner Probleme vor allem wegen UMTS. Zu den Zukunftsperspektiven von UMTS gibt es bis heute keine einheitliche Meinung. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein?

Vinall: In den nächsten zwei Jahren sehe ich da keine große Nachfrage, aber mittelfristig - auf Sicht von fünf Jahren oder mehr - könnte UMTS durchaus zu einem Thema werden. Man darf nicht vergessen, dass es sich dabei nicht nur um eine neue Technologie, sondern auch um eine neue Frequenz handelt, und das ist das Entscheidende. Diese neue Frequenz wird man irgendwann brauchen, weil andere Kapazitäten erschöpft sind.

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