Banken "Das Drei-Säulen-Modell ist ohne jede Zukunft"

Noch vor wenigen Tagen hatte Bankenpräsident Rolf-E. Breuer angesichts der desolaten Verfassung deutscher Finanzkonzerne vor Panik gewarnt. Nun bezeichnet er die Krise seiner Branche als "Besorgnis erregend".

Hamburg - Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken und Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank , Rolf-Ernst Breuer, bezeichnete die Lage der deutschen Banken in einem Gespräch mit dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL als "Besorgnis erregend, weil etliche Probleme hausgemacht sind".

Die Branche habe ein "gewaltiges Strukturproblem", außerdem habe sich das Drei-Säulen-Modell aus Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken überlebt. "Es ist ohne jede Zukunft", sagte Breuer dem SPIEGEL.

Wörtlich sagte der Ex-Vorstandssprecher des deutschen Branchen-Primus: "Wir alle haben Fehler gemacht. Zum Beispiel, wenn es darum ging, rechtzeitig die Kosten in den Griff zu bekommen. Mittlerweile können wir allerdings gar nicht mehr so schnell einsparen wie uns die Erträge wegbrechen."

Hinweis auf das deutsch-amerikanischen Verhältnis

Weniger auskunftsfreudig zeigte er sich im Gespräch an der Stelle, als er gefragt wurde: "Sind Sie im Nachhinein froh, dass Ihr alter Plan gescheitert ist, die Dresdner Bank zu übernehmen, die nun dem Allianz-Konzern die Bilanzen verhagelt?" Breuer dazu: "Das kommentiere ich nicht."

Für den Kursverfall der Bankaktien in den vergangenen Monaten sieht Breuer jedoch noch andere Faktoren als die von ihm eingestandene Strukturkrise: "Schauen Sie einmal genau hin, wann die Kurse deutscher Bankaktien abrutschen – häufig nachmittags, wenn die US-Investoren in Übersee wach werden. Das hat vielleicht auch mit dem derzeit gestörten deutsch-amerikanischen Verhältnis zu tun", sagte er dem SPIEGEL.

"Man darf Horrorszenarien nicht mehr ignorieren"

Weitere Schieflagen auch großer Banken will der Bankenpräsident nicht ausschließen: "Es gibt kein aktuelles Problem", sagte er, "aber man darf solche Horrorszenarien heute nicht mehr ignorieren. Die Schockwellen wären jedenfalls enorm."

Noch vor wenigen Tagen hatte Breuer in mehreren Interviews gesagt, dass von einer Systemkrise im Bankgewerbe keine Rede sein könne. Er mahnte einen vorsichtigen Umgang mit dem Wort Krise an. Es gebe "vielleicht eine Strukturkrise" bei den deutschen Instituten, aber eine Liquiditätskrise der Banken oder eine Unterversorgung der Unternehmen mit Krediten durch die Institute sehe er nicht.


Das komplette Breuer-Interview bei SPIEGEL Online Warum die Zukunft für Deutschlands Banken düster ist Banken-Lobby warnt vor Panik

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