Siemens Lücke im Pensionsfonds

Im Pensionsfonds klafft ein Loch in Milliardenhöhe. Der Konzern muss nachschießen. Gleichzeitig werden Proteste gegen den drastischen Stellenabbau zurück gewiesen.

München - Deutschlands größter Elektronikkonzern Siemens  hat die Gewerkschaftskritik am drastischen Stellenabbau zurückgewiesen. Von einem Kahlschlag könne keine Rede sein, erklärte der Konzern vor Beginn der Arbeitnehmer-Demonstrationen. Der Konzern bemühe sich um sozialverträgliche Lösungen.

Siemens hat seit Frühjahr 2001 schrittweise den Abbau von weltweit rund 35.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Mehr als die Hälfte davon sei bereits umgesetzt, hieß es nun. Derzeit diskutiere man mit Arbeitnehmervertretern, wie die Streichung von 3.000 Stellen in der Netzwerksparte ICN und bei den Industriellen Dienstleistungen in Deutschland umgesetzt werden könne.

Krise bei ICN: Rücktritt von Jung gefordert

Siemens-Mitarbeiteraktionäre haben wegen des drastischen Stellenabbaus in der Telekommunikationssparte erneut den Rücktritt des zuständigen Vorstandsmitglieds Volker Jung gefordert. Die Mitarbeiter seien "Opfer einer bis noch vor kurzem propagierten Wachstumsstrategie und schwerer Managementfehler", erklärte der Verein "Unsere Aktien" am Freitag in München. Der Netzwerksparte ICN, bei der besonders viele Stellen gestrichen werden sollen, müsse Zeit gegeben werde, ihre strukturellen und konjunkturellen Absatzprobleme unter Berücksichtigung der Mitarbeiter-Interessen zu lösen.

Milliarden-Nachzahlung an Pensionsfonds

Am Freitag lastete kurzzeitig die Nachricht auf der Siemens-Aktie, dass der Konzern mehrere Milliarden Euro in seinen Pensionsfonds nachschießen muss. Die Unterdeckung im Siemens-Pensionsfonds habe sich nach den Worten von Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger zum Ende des Geschäftsjahres angesichts der schwachen Aktienmärkte nochmals erhöht. Die Differenz von rund 5,1 Milliarden zum 30. Juni werde zum Stichtag 30. September nochmals ansteigen, sagte Neubürger in einem Interview mit der Mitarbeiterzeitung "Siemens Welt".

Angesichts der positiven Entwicklung des Cash-Flow im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/02 (30. September) habe Siemens nach seinen Worten "eine recht hohe Sonderdotierung" der Pensionspläne in den USA, England und Deutschland vorgenommen.

Die Unterdeckung des Fonds komme nicht überraschend, kommentierten Händler. Bei den starken Aktienverlusten der vergangenen Monate sei ein solcher Schritt zu erwarten gewesen.