Mobilcom Totgesagte leben länger

Auch wenn die Sanierung des Mobilfunkkonzerns stockt, wird der Milliardenkredit für die Schleswig-Holsteiner offenbar erneut gestundet.

Büdelsdorf - Am kommenden Montag hätte für die Mobilfunker aus Büdelsdorf beinahe die Stunde des Schreckens geschlagen, allen wahlkämpferischen Millionenbeihilfen zum Trotz. Kredite in Höhe von 4,7 Milliarden Euro, aufgenommen für die Finanzierung des UMTS-Abenteuers, wären fällig geworden. Bis zum Donnerstag hätten sich Mobilcom und ihre Gläubiger nicht auf eine Umschuldung einigen können, so die "Financial Times Deutschland" (FTD).

Nun aber wird der Milliardenkredit offenbar doch noch einmal verlängert - zum bisher dritten Mal. Das berichtete die Nachrichtenagentur VWD unter Berufung auf gut informierte Kreise. Der Kredit werde aber nur unter der Bedingung verlängert, dass eine Vorvereinbarung über eine langfristige Finanzierungslösung zwischen der France Telecom (FT) und dem Bankenkonsortium Bestand behält.

Damit wächst der Druck auf Mobilcom-Aufsichtsrat Dieter Vogel, der derzeit in schwieriger Mission bei den Franzosen unterwegs ist. Er will den Großaktionär, der im September die Zusammenarbeit mit den Deutschen aufgekündigt und damit deren akute Krise verursacht hatte, zu Zugeständnissen bewegen: FT soll möglichst den kompletten Milliardenkredit übernehmen. Wahrlich keine leichte Aufgabe, da die hoch verschuldeten Franzosen selbst nur durch Eingreifen der Pariser Regierung einer Zahlungsfähigkeit entkamen.

Bisher keine Einigung mit der Gewerkschaft

Dass Vogel bis Montag eine Lösung präsentieren kann, gilt als unwahrscheinlich, daher offenbar der Kreditaufschub. Sollten die Kredite dennoch am Montag oder später fällig gestellt werden, ohne dass FT einem Kompromiss zugestimmt hat, müsste Mobilcom Insolvenz anmelden. Für diesen Fall hat das Unternehmen bereits mit Klagen gegen die France Telecom gedroht.

Auch die Stundung der Kredite würde Mobilcom aber nicht helfen, wenn das Sanierungskonzept nicht schleunigst umgesetzt wird. Dies nämlich gilt als Bedingung dafür, dass neue Kredite in Höhe von 350 Millionen Euro, die der Bund und das Land Schleswig-Holstein in Aussicht gestellt haben, bewilligt werden. Dem Bericht der "FTD" zufolge ist die Sanierung des Unternehmens aber ins Stocken geraten.

Weil sich die Unternehmensleitung um Thorsten Grenz nicht mit den Gewerkschaften einigen könne, sei bisher noch keine einzige Stelle gestrichen und noch kein Standort aufgegeben worden. Auf Drängen der Arbeitnehmervertreter habe Grenz auch seinen Plan zurückgenommen, allein in der UMTS-Sparte 1000 Jobs zu streichen und das Geschäft praktisch anzuhalten. Wenn es nicht bald zu einer Einigung komme, zitiert die "FTD" eine anonyme Quelle aus Aufsichtsratskreisen, "dann geht Mobilcom das Geld aus".

20.000 Stellen bei FT bedroht

Unterdessen wurde bekannt, dass France Telecom bis zum Jahr 2006 möglicherweise rund 20.000 Stellen streichen wird. Das schreibt am Freitag die französische Tageszeitung "La Tribune" unter Berufung auf eine vom ehemaligen France-Telecom-Vorstandschef Michel Bon in Auftrag gegebene Studie der Unternehmensberatung Mercer Consulting.

Zudem scheine die französische Regierung eine Kapitalerhöhung, bei der sie 55 Prozent zeichnet, als die "am wenigsten schädliche Lösung" für den angeschlagenen Telekomkonzern zu betrachten. Über Umfang und Zeitpunkt der Kapitalerhöhung sei noch nicht entschieden worden, zitiert die Zeitung Regierungskreise. Der französische Staat werde seine Teilnahme an der Kapitalerhöhung durch Staatsanleihen finanzieren.

Der neue France-Telecom-Chef Thierry Breton verhandelt derzeit mit dem französischen Staat und den Banken über einen schnellen Schuldenabbau. Die France Telecom ist derzeit mit rund 70 Milliarden Euro verschuldet.

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