WestLB Kritik am "Kantönligeist"

Die Tochter WestLB Panmure macht weiter Verluste. Andere Landesbanken als Partner gesucht.

Düsseldorf - Die WestLB will ihre Sparziele früher als geplant erreichen. Die angestrebten Kosteneinsparungen sollten nun bis Ende 2003 und damit ein Jahr früher als geplant erreicht werden, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bank, Jürgen Sengera, der "Börsen-Zeitung". Für die WestLB seien 2002 und 2003 Restrukturierungsjahre, ergänzte Sengera in der Freitagausgabe der Zeitung. Man wolle das "Haus in Ordnung bringen", und das Hauptaugenmerk gelte aktuell der Kostensenkung. Insofern habe das Institut sein Tempo auf dem Weg zur Erreichung der Rentabilitätsziele verschärft.

Für die Risikovorsorge im Kreditgeschäft rechnet Sengera für 2002 abermals mit einem Aufwand von rund einer Milliarde Euro. Es gebe jedoch keine systematische größere Risikolastigkeit der WestLB. Allerdings sei die Bank im Branchenvergleich gerade in diesem Jahr überproportional von Betrugsfällen und Bilanzmanipulationen betroffen. Auf diese Fälle entfielen am Jahresende rund 40 Prozent der Risikovorsorge.

Panmure steht 2003 wieder auf dem Prüfstand

Wie die Zeitung weiter schreibt, kündigte Sengera an, dass die Londoner Tochter WestLB Panmure auch in diesem Jahr wieder mit einem Verlust abschließen werde. Man habe Kostensparmaßnahmen ergriffen, mit denen Panmure in einer Normalsituation an den Märkten ein positives Ergebnis erwirtschaften würde. Am Geschäftsmodell werde es bei entsprechend höherer Produktivität zunächst keine Abstriche geben. Sollten sich die Aktienmärkte indes nicht erholen, werde man sich die Panmure spätestens im ersten Quartal 2003 wieder anschauen müssen. Dann seien weitere Personalanpassungen nicht auszuschließen, sagt Sengera.

Wie der Vorstandsvorsitzende der Zeitung weiter sagte, ist die WestLB zudem offen für Kooperationen mit anderen Landesbanken. Allerdings habe die Bank die Erfahrung gemacht, dass andere Landesbanken Furcht vor einer Übernahme hätten, wenn man von Kooperationen spreche. Dies habe in der Vergangenheit zum Abbruch weiterer Überlegungen geführt. "In dieser Hinsicht herrscht in Deutschland unverändert der Kantönligeist", so Sengera.

Die Bank wolle ihr Möglichstes tun, um zur Bündelung der Kräfte unter den Landesbanken beizutragen. In diesem Zusammenhang kann Sengera sich vorstellen, dass die Aktien- und Investmentbanktochter WestLB Panmure als Kompetenzzentrum ein Unternehmen für die gesamte Sparkassen-Organisation werde. Eine Beteiligung Dritter an Panmure sei denkbar.

Kiel und Hamburg haben weder Zeit noch Geld

Die WestLB ist zurzeit mit 39,9 Prozent an der Landesbank Schleswig-Holstein (LB Kiel) und mit 37,5 Prozent an der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) beteiligt.

Die LB Kiel wiederum ist mit 49,5 Prozent an der Hamburgischen Landesbank beteiligt, mit der sie zum 1. Januar 2003 in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft fusionieren wird. Am neuen Institut wird die WestLB mit 27 Prozent weiter eine Sperrminorität halten, größter Anteilseigner wird aber die Stadt Hamburg sein. Laut Sengera ist zudem der Ausgang der Verhandlungen über den Kauf des 6,7-Prozent-Anteils der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) noch offen.

Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung des Aufbaus der LB-Kiel-Niederlassung in New York scheint es fraglich, ob die Nordlichter momentan Zeit und nicht zuletzt auch Geld für einen Einstieg bei Panmure haben.

Bei der LRP in Mainz fühlt man sich durch die Aufforderung Sengeras "nicht adressiert". Die Kooperationen mit der WestLB seien ausgelotet und umgesetzt, sagte ein LRP-Sprecher gegenüber manager-magazin.de am Freitag.

Sparkassen-freies Berlin wäre kein Untergang

Im Gespräch mit der "Börsen-Zeitung" äußerte sich Sengera auch über ein mögliches Interesse in Berlin. Die WestLB plane kein Engagement. Außerdem würde die Sparkassen-Organisation "nicht daran zu Grunde gehen", wenn in der Hauptstadt eine "Sparkassen-freie Zone" entstehen würde. Noch sei die Entscheidung über die Zukunft der Berliner Bankgesellschaft ja nicht gefallen.