Commerzbank "Haben Probleme im Griff"

Abschied vom Gewinnziel, dafür eine steigende Risikovorsorge: Die Commerzbank will mit einem verschärften Sparkurs das Gewitter in der Branche überstehen. Konzernchef Müller sieht eine solide Basis und reagiert empfindlich auf Marktgerüchte.

Frankfurt am Main – Die Commerzbank  hat wegen der Flutkatastrophe ihre geplante Risikovorsorge für das laufende Jahr von 1,1 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro erhöht. Dies teilte die Bank am Montag in Frankfurt mit.

Zugleich verabschiedete sich die drittgrößte börsennotierte Geschäftsbank Deutschlands endgültig von ihrem operativen Gewinnziel von 700 bis 800 Millionen Euro für 2002. "Eine seriöse Ergebnisprognose für das Gesamtjahr ist wegen der Unsicherheit an den Finanzmärkten und der volatilen Ertragsentwicklung nicht möglich", sagte Konzernchef Klaus-Peter Müller. So seien die Monate August und September - wie für alle Banken - "wenig erfreulich" verlaufen. Zuvor hatte die drittgrößte, börsennotierte deutsche Bank mit einem operativen Gewinn zwischen 700 und 800 Millionen Euro gerechnet.

Im Jahr 2001 hatte die Bank vor Steuern noch 43 Millionen Euro verdient. Im zweiten Quartal dieses Jahres hatte das Institut vor Steuern mit 25 Millionen Euro gerade noch schwarze Zahlen geschrieben, nachdem in den ersten drei Monaten operativ noch 153 Millionen Euro verdient worden waren.

Müller: "Effiziente Risikostreuung"

Das Geldinstitut hat nach den Worten ihres Vorstandssprechers jedoch derzeit weder einen Liquiditätsengpass noch unerwartete Probleme im Kreditgeschäft. "Die Bank erfreut sich einer unverändert soliden Liquidität", sagte Müller in einem Reuters-Interview. "Dank einer effizienten Risikosteuerung haben wird unsere Probleme im Griff. Deshalb sollte die Existenz der Bank nicht hinterfragt werden", fügte der Konzernchef an.

Vorsorge für Kirch und Babcock "ausreichend"

Müller betonte, die Bank erziele im Mittelstandsgeschäft mit Kunden von Umsätzen zwischen 250 Millionen bis 2,5 Milliarden Euro eine Eigenkapitalrendite von mehr als 15 Prozent nach Steuern. Für die größten Einzelengagements - rund 350 Millionen Euro bei der insolventen KirchMedia und gut 150 Millionen Euro bei Babcock Borsig - sei die gebildete Risikovorsorge ausreichend.

"Die Banken haben derzeit den stärksten Gegenwind seit 30, 40 Jahren", sagte Müller. Vor diesem Hintergrund sei es nachvollziehbar, wenn etwa die Rating-Agentur Moody's den Ausblick für die Einstufung von Commerzbank, HypoVereinsbank und Deutscher Bank jüngst auf "Negativ" von "Stabil" revidiert habe. Am vergangenen Dienstag hatte die Investor-Relations-Abteilung der Commerzbank Marktgerüchte über einen drohenden operativen Verlust aus dem Kreditgeschäft als diffamierend und ohne Grundlage zurückgewiesen.

Sparkurs soll verschärft werden

Da die Bank ihre Ertragsentwicklung nicht direkt beeinflussen könne, werde sie zunächst die Kostenschraube weiter anziehen, sagte Müller. "Die wird noch einmal durchforstet - und zwar vor allem die Frankfurter Zentrale und unsere Auslandseinheiten." Das gesamte Investmentbanking sowie Stabsabteilungen und der Abwicklungsbereich in Frankfurt stünden auf dem Prüfstand. Das Potenzial für Stellenstreichungen in der Frankfurter Zentrale mit ihren 12.000 Mitarbeitern sei dabei noch offen. "Wir gehen aber davon aus, dass unser Verwaltungsaufwand 2003 um rund zehn Prozent auf fünf Milliarden Euro weiter sinken wird." Der Umstrukturierungsprozess im Filialgeschäft sei hingegen abgeschlossen.

Verkauf von Montgomery noch in diesem Jahr

Der Verkauf des US-Vermögensverwalters Montgomery soll noch 2002 über die Bühne gehen. "Geplant ist ein Abschluss noch in diesem Jahr, die Gespräche mit Interessenten sind auf gutem Weg", sagte Müller. Für ihren britischen Asset Manager Jupiter hatte die Bank ihre Preisvorstellungen jedoch nicht durchsetzen können und die Verkaufspläne deshalb im August aufgegeben.