Siemens Es brodelt in der Belegschaft

Der Zwist über den Abbau von 4000 Stellen in München hat sich verschärft. Ein Auslöser des angekündigten Sparprogramms sind die weiterhin hohen Verluste in der Netzwerksparte ICN. Die IG Metall kündigt jetzt Protestaktionen an, der Betriebsrat will Neueinstellungen blockieren.

Frankfurt - Das Management von Siemens  und die Arbeitnehmervertreter sind bei ihren Gesprächen über den geplanten Abbau von tausenden von Arbeitplätzen offenbar heillos zerstritten.

Durch den Umbau fielen wie angekündigt 2.300 Arbeitsplätze in der Münchner ICN-Zentrale weg, kommentierte Siemens knapp. Ob der massive Stellenabbau in der verlustreichen Netzwerksparte damit zum Ende kommt, wollte der Konzern nicht kommentieren.

Das "Handelsblatt" hatte berichtet, ICN werde weitere 4.000 Stellen streichen, davon 1.300 in München und 2.700 im Ausland. Netzwerk-Chef Thomas Ganswindt sagte lediglich, es sei zu erwarten, dass mit dem Umbau "die notwendigen Anpassungen bei ICN abgeschlossen sind".

Wie das Unternehmen weiter mitteilte, ist künftig ein neues Geschäftsgebiet für Service und Dienstleistungen für Netzbetreiber zuständig. Siemens verspreche sich davon ein Umsatzwachstum in den nächsten Jahren, weil die Netzbetreiber wegen des anhaltend schwachen Marktes sparen und sich auf ihre Kernaktivitäten konzentrieren müssten.

Kürzungsziel bei ICN: Ein Drittel der Stellen abbauen

Siemens will bis Ende 2003 insgesamt 17.800 Arbeitsplätze in der Netzwerksparte streichen - rund ein Drittel der gesamten ICN-Stellen. Von den Jobkürzungen waren deutsche Niederlassungen bisher weniger betroffen als ausländische Standorte.

Mitte August hatte Siemens die ursprüngliche Zahl von 16.500 zu streichenden Stellen nach oben korrigiert und bekannt gegeben, dass in der ICN-Zentrale in München zusätzlich Arbeitsplätze wegfallen sollen. Dabei schloss das Unternehmen erstmals auch betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland nicht aus.

Für die Restrukturierung der Netzwerksparte rechnet Siemens im vierten Quartal, das am 30. September endet, mit Aufwendungen im dreistelligen Millionenbereich. Konzernchef Heinrich von Pierer sagte im Juli, er erwarte, dass das Geschäftsvolumen deutlich einknicke und das Ergebnis weiter unter Druck bleibe. Im dritten Quartal verbuchte ICN ein Minus von 84 Millionen Euro.

Nachdem ein Treffen in der Nacht zum Freitag ohne Ergebnis unterbrochen wurde, haben sich das Management und die Arbeitnehmervertreter nach Gewerkschaftsangaben bislang nicht über keinen neuen Termin verständigen können.

Siemens-Spitze bietet Unter-Tarif-Verträge an

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Wie die IG Metall mitteilte, halte die Unternehmensseite trotz massiven Drucks der Belegschaft an ihrem Konzept einer "massiven Bereinigung des Produkt- und Dienstleistungsportfolios" fest.

Betroffen sind von dem Stellenabbau die Sparten Industrielle Dienstleistungen (I&S), Gebäudetechnik (SBT) und Netzwerke.

Weiter hieß es, die Unternehmensleitung habe der IG Metall Entgegenkommen signalisiert, wenn diese im Gegenzug bereit ist, einen Tarifvertrag abzuschließen, der unter den Bedingungen des Ergänzungstarifvertrages liege. Die Gewerkschaften würden jedoch eine Absenkung des Tarifstandards bei Siemens ablehnen.

In verschiedenen Protestaktionen wolle die IG Metall nun gegen die Maßnahmen des Konzerns vorgehen. So sollen beispielsweise keine Überstunden mehr durch den Betriebsrat gebilligt werden.

Bei sämtlichen Personalentscheidungen des Konzerns wie beispielsweise Einstellungen und Versetzungen will der Betriebsrat ab heute nur zögerlich zustimmen oder sie ablehnen. Zudem übt die Gewerkschaft mit der Ankündigung von bundesweiten Aktionen in den nächsten Tagen weiter Druck auf das Siemens-Management aus.

Hoffnung auf den US-Partner Juniper

Trotz der negativen Entwicklung ist die Netzwerksparte ICN offensichtlich nicht chancenlos am Markt: "Siemens bedeutet viel für uns", sagte der Chef von Juniper Networks , Scott Kriens, gegenüber dem "Handelsblatt".

So hatte sich in der vergangenen Woche die Deutsche Telekom für Produkte von Siemens und Juniper zum Ausbau des DSL-Netzes.

Einige Analysten halten es zudem für möglich, dass die Kombination Siemens/Juniper dem Weltmarktführer Cisco  durchaus Marktanteile abnehmen kann. Zusammen mit Unisphere habe Juniper nun 600 Kunden, sagte Kriens gegenüber dem "Handelsblatt".

Dazu gehören die größten Telekom-Konzerne der Welt wie Deutsche Telekom, France Telecom oder die japanische NTT. Juniper hatte zuletzt mit einen Quartalsgewinn von 6,2 Millionen Dollar gemeldet. Im laufenden Quartal werde wegen der Übernahme aber wieder ein Verlust auflaufen, kündigte Kriens an.

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