Sparkassen Kündigungen sind kein Tabu mehr

Auch die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute streichen massiv Stellen zusammen.

Frankfurt/Main - Die geplante Fusion der beiden großen Sparkassen im Rhein-Main-Gebiet wirft ihre Schatten voraus. Vor allem bei der Frankfurter Sparkasse 1822 (Fraspa) wird der Personalabbau weitaus massiver ausfallen als bislang befürchtet.

Dabei schließt der Vorstand der drittgrößten deutschen Sparkasse selbst betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. Zunächst sollen 515 der 2200 Stellen abgebaut und das Filialnetz weiter ausgedünnt werden. Dies bestätigte das Institut am Montag in Frankfurt.

In wieweit dem beabsichtigten Zusammenschluss mit der Nummer Fünf in Deutschland - der Nassauischen Sparkasse (Naspa) in Wiesbaden - noch weitere Arbeitsplätze und Geschäftsstellen zum Opfer fallen, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Immerhin hat der langjährige Naspa-Vorstandsvorsitzende Anton Mauerer von 15 bis 17 Filialen gesprochen, die nach einem Zusammengehen überflüssig seien.

Sechs Standorte werden geschlossen

Von dem bereits beschlossenen Programm zur Kostenreduzierung der Frankfurter Sparkasse sind allerdings mehr als 515 Personen betroffen, da das Haus zahlreiche Teilzeitkräfte beschäftigt. Auf den 2200 Vollarbeitsplätzen sind insgesamt 2800 Arbeitnehmer tätig. Neben einer Reihe von Angeboten zum freiwilligen Ausscheiden sollen den Mitarbeitern auch Hilfen bei der Suche nach neuen Jobs angeboten werden. "Sollten diese Maßnahmen nicht den nötigen Erfolg zeigen, kann zum heutigen Zeitpunkt auch der Weg von betriebsbedingten Kündigungen nicht ausgeschlossen werden."

Von den aktuell 91 Standorten der Frankfurter Sparkasse werden unabhängig von den Fusionsplänen zunächst sechs geschlossen – davon drei bereits in diesem Jahr. Der Vorstand begründet diesen Katalog, der zusammen mit der Unternehmensberatung Boston Consulting Group erstellt wurde, mit dem massiven Strukturwandel im Bankgewerbe. Der anhaltenden Konjunkturschwäche, dem Einbruch an den Finanzmärkten sowie dem massiven Wettbewerbsdruck und der sich weiter öffnenden Schere zwischen Kosten und Erlösen müsse entgegen gewirkt werden.

Keine Entscheidung vor der Landtagswahl

Ursprünglich hatte Naspa-Chef Mauerer schon den Abbau von 500 Stellen für beide Häuser als realistisch für den Fall der Fusion genannt. Nun hat die Fraspa schon vor einem Zusammengehen diese Zielgröße zur Kosteneinsparung von insgesamt 50 Millionen Euro jährlich alleine übertroffen.

Die Eheanbahnung zwischen beiden Instituten ist derzeit aber ins Stocken geraten. Gegenwind verspüren Mauerer und sein Frankfurter Vorstandskollege Klaus Wächter aus dem politischen Raum. Eine mächtige Rhein-Main-Sparkasse würde den Einfluss der Politik schmälern und die Zahl attraktiver Mandate verringern.

Bei der öffentlich-rechtlichen Naspa agieren sechs Landkreise sowie zwei Großstädte in Hessen und Rheinland-Pfalz als Träger. Die freie Frankfurter Sparkasse ist dagegen privatrechtlich organisiert. Vor der hessischen Landtagswahl im Februar 2003 wird angesichts der zögerlichen Haltung der Politik nicht mehr mit einem Durchbruch der ohnehin komplizierten Fusionsverhandlungen gerechnet.

von Wolf Pampel, dpa

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