Montag, 20. Mai 2019

Babcock Borsig Versteckspiel

Ex-Chef Klaus Klaus Lederer steht weiterhin in der Schusslinie. Lederer, heute Vorstandschef bei der Kieler Werft HDW, soll die marode Geschäftslage mit systematischen Verschleierungs-Aktionen vor den Anlegern verborgen haben.

Hamburg - Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft sieht ihren Anfangsverdacht gegen den früheren Babcock-Borsig-Chef Klaus Lederer bestätigt. "Der Vorwurf der Insolvenzverschleppung hat sich inzwischen erhärtet", sagte Behördensprecher Bernhard Englisch in der Mittwochausgabe der "Financial Times Deutschland".

Klaus Lederer: Internes System zur Steuerung der Zahlungen
Nach neuestem Stand der Erkenntnisse habe Lederer, heute Chef der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW), die Insolvenz des Anlagenbau- und Werftenkonzerns monatelang hinausgezögert. Ein Sprecher von Lederer wies die Vorwürfe zurück: "Am Ende des Verfahrens wird feststehen, dass es keine Insolvenzverschleppung gab."

Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei ihren Vorwürfen auf die Insolvenzberichte der 25 Gesellschaften, welche sich derzeit in Obhut des Babcock-Borsig-Sachwalters Helmut Schmitz befinden. Wie aus unternehmensnahen Kreisen verlautete, soll Lederer ein internes Verfahren zur Steuerung von Zahlungen etabliert haben, das die tatsächliche Liquiditätslage über Monate verschleierte und so die bereits eingetretene Zahlungsunfähigkeit verdeckte.

Warum die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers das Konstrukt nicht monierte, fragt sich Babcock-Aktionär Guy Wyser-Pratte, dem mehr als acht Prozent aller Babcock-Aktien gehören. Wyser-Pratte hat neben Lederer auch den Wirtschaftsprüfer sowie den ehemaligen WestLB-Vorstand Friedel Neuber angeklagt. Neuber hat nach Wyser-Prattes Ansicht zweifelhafte Bilanzierungs-Aktionen Lederers wider besseren Wissens gedeckt.

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