Babcock Borsig Deutschlands größte Werft jetzt komplett in US-Besitz

Der Oberhausener Konzern verkauft seine restlichen HDW-Anteile überraschend an One Equity Partners. Der Eigner verspricht der Werft "eine rosige Zukunft".

Oberhausen/Kiel - Die insolvente Babcock Borsig AG hat sich überraschend auch von den restlichen Anteilen an der Kieler Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) getrennt. Wie der Konzern ad hoc bekannt gab, billigte der Gläubigerausschuss am Mittwoch den Verkauf der verbliebenen 25 Prozent plus eine Aktie.

Käufer ist erneut der US-Finanzinvestor One Equity Partners, der damit nun 100 Prozent an HDW. Neben der Entlastung der Restschulden erhalte Babcock einen Verkaufserlös "in zweistelliger Millionenhöhe", hieß es.

Je 15 Prozent an HDW werde OEP vereinbarungsgemäß an ThyssenKrupp  und an die zum MAN-Konzern  gehörende Ferrostaal weiterreichen, erklärte Babcock. Ursprünglich sei mit OEP für den Verkauf der verbliebenen Anteile eine Entlastung von Restschulden in Höhe von 224 Millionen Euro sowie die Verrechnung eines Darlehens an Babcock über 50 Millionen Euro vereinbart worden.

Gläubigerquote wird sich noch weiter erhöhen

Dies hätte den Gläubigern des insolventen Konzerns eine Quotenerhöhung von 25 Prozent gebracht, erklärte der Sachwalter Helmut Schmitz. Da Babcock aber einen höheren Preis ausgehandelt habe, werde sich die Gläubigerquote noch weiter erhöhen.

Der Verkauf der HDW-Anteile kommt überraschend, da Schmitz noch vor zwei Wochen angekündigt hatte, eine Klage zur Rückabwicklung des umstrittenen ersten HDW-Verkaufs an OEP zu prüfen. Jetzt hieß es, Babcock werde den Verkauf der ersten Tranche nicht rückgängig machen. Hierfür gebe es "erhebliche rechtliche Hürden".

Außerdem hätte ein mehrere Jahre dauernder Rechtsstreit das Risiko ungewisser wirtschaftlicher Folgen bedeutet. Der Vorstandsvorsitzende Horst Piepenburg erklärte, für alle Beteiligten herrsche nun Klarheit und Rechtssicherheit. Die Hängepartie HDW sei beendet.

Babcock verweist auf eindeutige Rechtsgutachten

Babcock verwies darauf, dass eindeutige Rechtsgutachten zu der Frage vorlägen, ob die Hauptversammlung dem Verkauf der zweiten Tranche an HDW-Anteilen hätte zustimmen müssen. Dies sei nicht der Fall. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens und Anordnung der Eigenverwaltung sei das Verfahren insolvenzrechtlich klar geregelt, erklärte Babcock. Gesellschafterrechte der Aktionäre bestünden in diesem Zusammenhang nicht mehr.

Ursprünglich hatte Babcock den Verkauf der verbliebenen 25 Prozent an der Kieler Werft Ende August in einer außerordentlichen Hauptversammlung zur Diskussion stellen wollen. Diese war jedoch nach dem Insolvenzantrag abgesagt worden.

Wyser-Pratte besteht auf Rückabwicklung

OEP begrüßte den Verkauf am Mittwoch als "Befreiungsschlag für HDW". Das Phantom einer Rückabwicklung habe sich damit in Luft aufgelöst. HDW könne sich jetzt "auf eine rosige Zukunft" konzentrieren, erklärte OEP-Sprecher Christopher von Hugo.

Der US-Investor und Babcock-Großaktionär Guy Wyser-Pratte kündigte dagegen nach Informationen der Zeitung "Die Welt" (Donnestagausgabe) an, gerichtlich gegen den Verkauf der Anteile vorzugehen. Es liege eine Einstweilige Verfügung gegen den Verkauf unter Androhung einer Geldstrafe vor, sagte der Deutschland-Anwalt von Wyser-Pratte, Thomas Heidel, der Zeitung.

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