Salamander "Ich bin ein Notfallarzt"

Für EnBW-Chef Gerhard Goll dürfte es eine Erlösung sein: Der frühere Adidas-Chef René Jäggi will dem Energiekonzern den lästigen Schuh- und Servicekonzern abkaufen.

Kornwestheim/Ludwigsburg - Der frühere Vorstandschef des Sportartikelherstellers Adidas , der Schweizer René Jäggi, will die Salamander AG  kaufen. Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" (Mittwochausgabe) scheiterten Gespräche zwischen Salamander und Jäggi bisher jedoch an unterschiedlichen Auffassungen über den Zustand des Unternehmens.

"Bei Salamander weiß man offenbar nicht, wie krank das Unternehmen eigentlich ist", sagte Jäggi der Zeitung. "Ich bin ein Notfallarzt. In Kornwestheim denkt man wohl immer noch, man könnte mit einem Schönheitschirurgen hinkommen."

Jäggi war von 1988 bis 1992 Vorstandsvorsitzender der Adidas AG und machte sich auch einen Namen als Sanierer der Schuhfirma Romika, die er selbst kaufte. Salamander-Vorstand Michael Gaßner wollte zu Jäggis Äußerungen nicht Stellung nehmen.

Salamanders Muttergesellschaft EnBW  (Energie Baden-Württemberg), die mehr als 95 Prozent der Aktien hält, will die letzten ausstehenden Papiere von den Kleinaktionären für 22,71 Euro je Aktie kaufen. Dann hielte die Aktiengesellschaft sämtliche Anteile an Salamander und könnte das Unternehmen problemlos an Jäggi veräußern.

Außerordentliche Hauptversammlung in Ludwigsburg

Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung soll am heutigen Mittwoch in Ludwigsburg ein so genanntes Squeeze-out-Verfahren beschlossen werden, das erlaubt, die verbliebenen Aktionäre auch gegen ihren Willen abzufinden. Eine EnBW-Sprecherin wollte die Meldung auf Nachfrage von manager-magazin.de nicht kommentieren.

EnBW-Chef Gerhard Goll hatte Salamander im Frühjahr 2000 seinem Kontrahenten Lothar Späth, Vorstandschef bei Jenoptik , vor der Nase weggeschnappt. Danach folgte ein missglückter Versuch, Synergien zwischen dem Schuhunternehmen und dem Energiekonzern herzustellen.

Während die Schuhsparte der Aktiengesellschaft mit ihrem populären Maskottchen Lurchi seit Jahren rote Zahlen schreibt und saniert werden muss, ist die größere Dienstleistungssparte profitabel. Im ersten Halbjahr 2002 brach das Betriebsergebnis allerdings um 61 Prozent auf 8,4 Millionen Euro ein.

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