Mobilcom Gerüchte und ein Kursgewitter

Michel Bon muss Fakten schaffen. Der France-Telecom-Chef soll das französische Finanzministerium überzeugt haben, dass eine Insolvenz des Partners Mobilcom die beste Lösung ist. Aus Frankfurt wird das Gegenteil gemeldet.

Paris/München – Für die Mobilcom AG  wird es eng. Zwei Tage bevor die France Telecom offiziell mitteilen will, ob Mobilcom übernommen oder abgewickelt wird, drückt ein Bericht des "Figaro" den Kurs des Mobilfunkers aus Büdelsdorf kurz nach Börsenbeginn um mehr als 50 Prozent. Bis zum Nachmittag erreichte die Aktie ein neues All-Time-Low bei 1,41 Euro, und legte dann innerhalb kürzester Zeit wieder um mehr als 50 Prozent zu.

Die französische Tageszeitung hatte ohne Angabe von Quellen berichtet, dass sich nach einem Treffen des Mobilcom-Großaktionärs France Telecom (FT)  mit dem französischen Finanzministerium die Überlebenschancen für das Büdelsdorfer Unternehmen stark verschlechtert hätten.

FT-Konzernchef Michel Bon habe die Vertreter des Ministeriums offensichtlich davon überzeugt, eine Insolvenz des deutschen Mobilfunkbetreibers nicht aufzuhalten. Bon habe argumentiert, dies sei für die Probleme von FT die beste Lösung und er habe offensichtlich Gehör gefunden, schreibt die Zeitung.

Daraufhin gab es Gerüchte im Markt, Gerhard Schmid, Gründer von Mobilcom, würde große Bestände seiner Aktien verkaufen. Schmid forderte daraufhin am Mittwoch mittag die Aufsicht der Deutschen Börse AG in Frankfurt zu Ermittlungen wegen einer gezielten Falschmeldung und Kursmanipulationen auf. Die Gerüchte stimmten nicht. "Ich verkaufe nicht", betonte Schmid.

Schmid hält nach eigenen Worten vielmehr eine Einigung mit der France Telecom noch in diesem Monat für möglich. "Wenn am Donnerstag in Paris die Weichen gestellt werden, gehe ich davon aus, dass wir uns vor Oktober einigen", zitiert das Wirtschaftsmagazin "Focus-Money" Schmid.

Auf die Frage, zu welchem Preis er seine Aktien verkaufen würde, antwortete Schmid: "Die in den Medien genannten elf bis 17 Euro sind eine realistische Untergrenze."

Schmid nannte als Reaktion auf den "Figaro"-Bericht weitere Pro-Argumente für ein Überleben von Mobilcom. Nach seinen Informationen sind noch am gestrigen Dienstag zwischen 20 und 30 Millionen Euro von Paris nach Büdelsdorf überwiesen worden. "Das tut man nicht, wenn man einen Partner fallen lassen will", kommentierte Schmid. Die Medienberichte über eine beschlossene Insolvenz in Büdelsdorf nannte Schmid "Falschmeldungen".

Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch bestätigte die angeführte Zahlung zwar nicht ("detaillierte Angaben hierzu veröffentlichen wir grundsätzlich nicht"), bekräftigte aber, dass der französische Konzern "bis zum heutigen Tag seinen finanziellen Verpflichtungen immer nachgekommen" sei.

UMTS-Rücklage bei France Telecom von 18 Milliarden?

UMTS-Rücklage bei France Telecom von 18 Milliarden?

"Es gibt mehrere Belege, dass France Telecom sich eindeutig zur langfristigen Finanzierung von Mobilcom verpflichtet hat", sagte Schmid weiter.

So hätte Michel Bon im vergangenen November schriftlich zugesagt, das UMTS-Geschäft des deutschen Mobilfunktunternehmens mit bis zu 18 Milliarden Euro zu unterstützen. Bei diesem bis heute nicht widerrufenen Betrag sei man bei weitem noch nicht angekommen. Das zitierte Schreiben steht also exakt für das Gegenteil von dem, was der "Figaro" über Bons Votum berichtet.

Und Schmid hat einen weiteren Pfeil im Köcher: Er hat am gestrigen Dienstag die Erfüllung einer Put-Option bei Gericht angemeldet. Die Option aus dem Partnervertrag mit FT erlaubt es Schmid angeblich, die 40 Prozent Mobilcom-Aktien aus seinem persönlichen Besitz zu einem Kurs von 22 Euro an FT zu veräußern. Die Franzosen hatten die Put-Option jedoch nicht akzeptiert, jetzt will Schmid den Fall gerichtlich klären lassen.

Aktionärsschützer: FT manipuliert den Kurs

Schmid nannte als Auslöser für die Klage die Berufung von Ulrich Kalthoff zum stellvertretenden Vorstandsmitglied. France Telecom hätte diese laut Vertrag mit ihm abstimmen müssen.

Das Kursgewitter, das über die Mobilcom-Aktie heute hereinbrach, ist nach Ansicht von Wasilios Katsioulis durch große Verkaufsorder von France Telecom ausgelöst worden. Der Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft der Mobilcom-Aktionäre e.V. in Hamburg, sprach gegenüber der Agentur "vwd" von Kursmanipulation.

Dies sei ein Versuch der France Telecom die freien Aktionäre bei Mobilcom herauszudrängen, so Katsioulis unmittelbar nach dem scharfen Kursknick. Der französische Konzern kaufe jetzt die Mobilcom-Anteile zu extrem niedrigen Preisen und unterbreite den restlichen Aktionären demnächst ein Übernahmeangebot. Dessen sei er sicher, sagte der Geschäftsführer.

Die Millenium-Klage

Auch die Aktionärs-Vereinigung hat eine Klage gegen jetzige Mobilcom-Verantwortliche eingereicht: Den Vorständen Thorsten Grenz und Ulrich Kalthoff wird darin Untreue vorgeworfen.

Hintergrund ist eine umstrittenes Aktienoptionsprogramm, mit dem Gerhard Schmid die Mobilcom-Vertriebsmitarbeiter motivieren wollte. Da Schmid das Geschäft angeblich eigenmächtig - und damit ohne Zustimmung weiterer Entscheidungsträger - durchgezogen haben soll, verlangte France Telecom die Rückabwicklung und eine Zahlung von etwa 300 Millionen Euro durch Schmid an Mobilcom.

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Die Aktionärsvereinigung verweist auf drei Gutachten, die das sogenannte "Millenium-Programm" als rechtlich einwandfrei beurteilt hätten. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PricewaterhouseCoopers und BDO sowie die Anwaltskanzlei White & Case hätten die Unbedenklichkeitsbescheinigungen ausgestellt.

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Nun wird das Millenium-Programm auf Weisung des Vorstands abermals gegen Honorar von verschiedenen Anwaltskanzleien überprüft. Darin sehen die Aktionärsschützer eine "Verschwendung von Firmengeldern".

Um einen Vertrauensbeweis bitten die Industriegewerkschaft Metall und die Mobilcom-Betriebsräte die Arbeitnehmervertreter im Verwaltungsrat der France Telecom um Unterstützung.

"Solide Basis von 4,8 Millionen Kunden"

"Mobilcom hat das Potenzial, weiterhin eine wichtige Rolle auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt zu spielen. Wir versichern Ihnen, dass die Mitarbeiter dazu bereit sind. Was wir jetzt brauchen, ist das Vertrauen von France Telecom in uns", heißt es am Mittwoch in einem Brief.

Der Rückzug von France Telecom bedrohe unmittelbar die mehr als 5000 Mobilcom-Arbeitsplätze, heißt es weiter. Es sei aber klar, dass Mobilcom für France Telecom wegen der angespannten Finanzsituation nicht zu einem Fass ohne Boden werden dürfe, hieß es.

Die Gewerkschafter betonten, dass es nicht zuletzt dem Engagement der Mitarbeiter zu verdanken sei, dass Mobilcom bis heute eine stabile Basis von 4,8 Millionen Kunden habe.

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