MLP Überraschender Abgang

Der Finanzdienstleister hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Auslandschef getrennt.

Heidelberg - "Ich bestätige, dass es eine Trennung von unserem Auslandschef Dorian Simon gibt", sagte MLP-Sprecher Michael Pfister am Samstag auf Anfrage und bestätigte damit einen Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL. Der 31-jährige Simon war Vorstandsmitglied der Maklergesellschaft MLP Finanzdienstleistung AG und für das Geschäft der Heidelberger jenseits der Landesgrenzen verantwortlich. Zu den Gründen für das Ausscheiden des Managers wollte Pfister sich allerdings nicht äußern.

Hintergrund der Entlassung ist nach Informationen des SPIEGEL eine Untersuchung der Festplatte von Simons Computer. Dabei wurden angeblich Dokumente gefunden, die zeigen, dass er verschiedene Medien mit brisanten Geschäftsinterna versorgt hat.

Simon selbst bestreitet die Vorwürfe. DER SPIEGEL zitiert ihn mit den Worten: "Ich hatte nie Kontakt mit 'Börse Online', und auf meiner Festplatte wurden keine entsprechenden Dokumente gefunden."

Erstmals seit dem Börsengang Gewinnrückgang

Der im Dax 30 gelistete Finanzdienstleister MLP war in den vergangenen Monaten wegen des Vorwurfs fragwürdiger Bilanzierungspraktiken immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Darauf war der Kurs der Aktie  kräftig eingebrochen.

Nach Angaben des Unternehmens hat sich die anhaltende Diskussion um die Bilanzierung inzwischen sogar negativ auf das Geschäft von MLP ausgewirkt. MLP wird nach eigener Aussage 2002 erstmals seit dem Börsengang vor 14 Jahren einen Gewinnrückgang verzeichnen. Die Geschäftsprognosen wurden inzwischen drastisch zurückgenommen.

Wurde eine Wanze in Termühlen Büro installiert?

Nach Auskunft des Vorstand wird der Gewinn vor Steuern im Gesamtjahr mit etwa 100 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 150,7 Millionen Euro liegen. Der Vorsteuergewinn sank im ersten Halbjahr auf 53,1 Millionen Euro nach 53,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Nach dem ersten Quartal hatte das Unternehmen noch einen Vorsteuergewinn von rund 195 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Der Chef des Finanzdienstleisters, Bernhard Termühlen, hatte vor einigen Wochen mitgeteilt, sein Büro sei abgehört worden. Es sei eine Abhöranlage gefunden worden, sagte er bei der Vorlage der Halbjahresbilanz in Frankfurt.

Keine Strafanzeige erstattet

Diese Erkenntnis habe MLP an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. "Wir wollten daraus bewusst keine Anzeige machen", sagte der Vorstandschef. Eine Anzeige hätte nur den Verdacht nach sich gezogen, MLP wolle von den Bilanzvorwürfen ablenken.

Zuvor hatte es in Presseberichten geheißen, es gebe einen ehemaligen Vertrauten von Termühlen, der im Unfrieden geschieden sei. Er verbreite im Internet - etwa in Börsenchatrooms - Vertraulichkeiten.

Am Montag-Morgen gab die MLP-Aktie leicht nach und notierte gegen 10.30 Uhr mit einem Minus von 3,15 Prozent bei 13,20 Euro.

MLP: Wanze in Termühlens Büro? MLP: "Die Angriffe haben uns getroffen"

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.