Mobilcom Zehn Tage Auskunftssperre

Hopp oder Topp? In wenigen Tagen will France Telecom entscheiden, ob Mobilcom zum Schafott geführt wird. Bis zum 13. September haben die Franzosen eine Nachrichtensperre verhängt.
Von Christian Buchholz

Paris - Die kleine Meldung auf der Onlineseite eines französischen Investment-Magazins ließ am Freitag den Mobilcom-Kurs  blitzartig in die Tiefe rauschen: "D'Investir" meldete, die finanzielle Unterstützung für Mobilcom, an der France Telecom (FT)  zu 28,5 Prozent beteiligt ist, werde eingestellt. Die Insolvenz des Büdelsdorfer Konzerns wurde als unabwendbar bezeichnet.

Zweimal krachte es schon im Kontor

Folge: Ein Kurssturz um 20 Prozent. Und eine ebenso ruckartige Erholung um ebenfalls 20 Prozent. Eine Meldung ohne Quelle löste enorme Kursbewegungen aus.

Am heutigen Montag folgte die nächste "La-Ola-Welle". Die Tageszeitung "Les Echos" meldete, France Telecom habe ein Gutachten bei einer deutschen Consultingfirma in Auftrag gegeben, das die Marktchancen von Mobilcom bewertet - mit niederschmetterndem Ergebnis.

Die Folge: Ein Kurssturz von 6,39 Euro auf 5,63 Euro binnen weniger Minuten und eine ebenso ruckartige Erholung in den nächsten Minuten. Eine angeblich existierende Studie hatte Millionen an der Börse bewegt.

"Quiet Period" nach dem Börsengesetz

"Ich weiß nicht, ob eine solche Studie existiert", sagte Nilou Du Castel, Pressechefin der France Telecom gegenüber manager-magazin.de. Im übrigen sei bereits seit vergangenem Mittwoch eine "Quiet Period" in der Pariser Konzernzentrale eingeläutet worden: Keine Informationen über Mobilcom an Journalisten, Analysten, Investoren oder andere Interessierte.

Zu der "Quiet Period" sei FT nach dem französischen Börsengesetz verpflichtet. Und solange keine Entscheidung im Fall der deutschen Beteiligung gefällt sei, wäre es auch "unfair", die genannten Kreise mit Informationen zu versorgen.

Informationsfluss eingefroren

Die France-Telecom-Sprecherin kündigte für den 13. September einen Conference-Call an, in dem Einzelheiten zu der dann gefällten Entscheidung erläutert würden. Bis dahin sei der Informationsfluss eingefroren.

Die Informationssperre ist laut FT bereits seit vergangenem Mittwoch gültig. So habe ein Redakteur von "D'Investir" zwar über seine These vom Mobilcom-Bankrott mit France Telecom sprechen wollen, aber keine Antworten oder Informationen erhalten.

Zwei denkbare Optionen

Mobilcom ist für France Telecom ein schwebendes Verfahren mit zwei grundsätzlichen Optionen. Erste Variante: Der Konzern löst sein Engagement in Deutschland auf - dann würden allerdings eine UMTS-Lizenz, die für 8,4 Milliarden Euro ersteigert wurde, sowie weitere milliardenschwere Investitionen wertlos verfallen.

Außerdem müsste sich France Telecom auf langwierige - und möglicherweise kostspielige - Gerichtsverfahren einrichten, die nicht zuletzt Großaktionär und Firmengründer Gerhard Schmid für den Fall der Fälle bereits angekündigt hat.

Handschlag mit Schmid steht noch aus

Zweite Variante: FT hält an Mobilcom fest und unterbreitet den Aktionären ein Übernahmeangebot (Public Offering). Für diesen Fall hat FT bereits eine Einigung mit den Banken, die die Mobilcom-Kredite finanzieren, gefunden. Dem Vernehmen nach ist man auch handelseinig mit den Netzwerkausrüstern Nokia und Ericsson, die den UMTS-Ausbau für Mobilcom mit eigenen Krediten über 1,1 Milliarden Euro mitfinanzierten.

Nun steht noch ein Handschlag mit Gerhard Schmid aus. Angeblich kämpft der Mobilcom-Vater um einen Übernahmepreis zwischen elf und 17 Euro. Dabei geht es auch um die Aktien seiner Ehefrau Sybille Schmid-Sindram, insgesamt ein Paket von etwa 32,8 Millionen Stück oder 50 Prozent aller Mobilcom-Aktien.

Auch Mobilcom hüllt sich in Schweigen

Zuzüglich der etwa 20 Prozent aller Aktien, die sich im Streubesitz befinden, kostet die France Telecom jeder Euro, den sie im Falle einer Übernahme pro Aktie mehr bezahlt, rund 50 Millionen Euro zusätzlich.

Wenn auch der Informationsstopp in Paris hält - zu erwarten sind auch in den folgenden Tagen Kurssprünge, ausgelöst von nervösen und nach Informationen hungernden Investoren. Doch konkreten Fakten sollen erst in elf Tagen verkündet werden.

Auch direkt aus der Mobilcom-Zentrale in Büdelsdorf sind bis dahin keine neuen Informationen zu erwarten. Schon im eigenen Interesse wird der Konzern im Überlebenskampf sich dem Informationsstopp aus Paris anschließen.

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