Babcock Borsig Standort Hannover wird überleben

Die etwa 1000 Angestellten in Hannover sollen glimpflich davonkommen, sagt der Insolvenzverwalter.

Hannover/Oberhausen - Von mehr als 1000 Arbeitsplätzen in Unternehmen der insolventen Babcock Borsig AG in Hannover kann die große Mehrheit erhalten bleiben.

Unter anderem sei die Fortführung von zwei Betrieben mit Landesbürgschaften abgesichert worden. Nähere Einzelheiten wollen Insolvenzverwalter Reinhard Mühl und Wirtschaftsministerin Susanne Knorre (parteilos) am Dienstag bekannt geben. Das Amtsgericht Duisburg hatte am Sonntag das Insolvenzverfahren über die AG und 18 Tochterunternehmen eingeleitet.

Das Insolvenzverfahren dürfte nach Einschätzung von Vorstand und Sachwalter des Oberhausener Konzerns fünf bis sieben Jahre in Anspruch nehmen.

"Langer Atem" der Aktionäre gefragt

In einem Brief an die Aktionäre vom Vorstandsvorsitzenden Horst Piepenburg und Sachverwalter Helmut heißt es, die Anteilseigner bräuchten einen "langen Atem". Bis zum Abschluss des Verfahres werde die AG fortbestehen. In dieser Zeit hätten die Aktien aber so lange keinen Wert, bis nicht alle Gläubigeransprüche befriedigt seien.

Wegen der hohen Gesamtverbindlichkeiten bestünden gegenwärtig keine Aussichten auf Leistungen an die Aktionäre, hieß es weiter. Zudem dürften die Forderungen der Gläubiger nur anteilsmäßig befriedigt werden können.

Abschied vom MDax

Gerüchte, dass die Aktie des Oberhausener Anlagenbauers kurzfristig aus dem MDax-Index verbannt wird, dementiert die Deutsche Börse . Trotz Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird die Aktie erst regulär zum 23. September 2002 aus dem MDax genommen. Das Unternehmen war in eine finanzielle Schieflage geraten, nachdem Ex-Vorstandschef Klaus Lederer Babcock-Anteile an der größten deutschen Werft, der Kieler HDW, verkauft hatte.

"Die neuen Regeln für eine vorzeitige Entnahme aus einem Index treten bei Babcock Borsig nicht in Kraft", sagte Frank Hartmann, Sprecher der Deutschen Börse, auf Anfrage von vwd.

Am 23. September wird der Index neu bestückt

Nach den nun geltenden Bestimmungen könne ein Unternehmen auch unabhängig von den entsprechenden Überprüfungsterminen aus einem Index herausgenommen werden, wenn dieses zum Beispiel nach Eröffnung eines Insolvenzverfahrens abgewickelt werde. "Diese Abwicklung ist bei Babcock Borsig aber nicht der Fall", so Hartmann.

Am 13. August hatte die Deutsche Börse mitgeteilt, dass Babcock Borsig  zusammen mit Altana , Cargolifter  und GoldZack  den MDax zum 23. September verlassen werden. Dafür rücken Aareal Bank , Klöckner Werke , Degussa  und die Mannheimer Holding  in den Index auf.