Volkswagen "Dann kaufen wir zu"

Die Wolfsburger Autobauer wollen ihr Geschäft mit konzernfremden Marken ausbauen. Langfristig plant Konzernchef Pischetsrieder aber, mit dieser Strategie die anderen Hersteller auszubooten. Außerdem werden die Verträge mit 8500 Händlern und Werkstätten gekündigt.

Frankfurt - Volkswagen  will "massiv in das Wachstumsgeschäft" mit der Betreuung von Firmenflotten investieren. Das Volumen von aktuell 130.000 Fahrzeugen solle in den nächsten drei bis vier Jahren auf 600.000 bis 700.000 betreute Fahrzeuge wachsen, sagte der Vorstandschef der Volkswagen Financial Services, Norbert Massfeller, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Dies sei schon allein deswegen nötig, weil Volkswagen mit der aktuellen Größenordnung zu klein sei, um im Markt mitmischen zu können. Dabei seien auch Firmenkäufe nicht ausgeschlossen: "Wenn etwas passt, dann kaufen wir zu". Als mögliche Übernahmekandidatin wird zum Beispiel die zur niederländischen Bank ABN Amro gehörende Leasplan gehandelt, die rund 600.000 Fahrzeuge verwaltet. Geschätzter Kaufpreis für Leasplan: Eine Milliarde Euro allein für das europäische Geschäft.

Der Leasingmarkt wächst Massfeller zufolge gegenwärtig am stärksten. Während der Autoabsatz in Deutschland und Europa in diesem Jahr voraussichtlich um rund vier Prozent zurück gehen werde, rechnen Experten beim Flottenleasing mit Zuwachsraten von fünf bis sieben Prozent. Zunehmend würden laut Massfeller Dienstwagen als Gehaltskomponenten betrachtet, weshalb der Bedarf steigen werde. Das Flottenmanagement richte sich aber erst an Unternehmen mit mindestens 100 Fahrzeugen. Darunter würde es sich nicht lohnen.

Eigene Produkte als erste Wahl

Von den aktuell 130.000 verwalteten Autos sind rund 30 Prozent Volkswagen. "Das entspricht ungefähr unserem Marktanteil am gesamten Automarkt", sagte Dietmar Kupisch, Pressesprecher bei Volkswagen Financial Services, auf Nachfrage von manager-magazin.de am Montag.

Volkswagen ist bereits vor vier Jahren in das Leasing-Geschäft eingestiegen. Zum Konzern gehört der Autovermieter Europcar, der neben VW-Marken auch auf konzernfremde Autos setzt. Ein Blick auf die Internetseite von Europcar genügt aber, um zu erkennen, welche Strategie Volkswagen verfolgt. In fast allen Kategorien wird ein Produkt aus dem Konzernangebot als erstes Mietobjekt präsentiert. Das reicht vom Lupo bei den Kleinwagen, über den Golf in der Kompaktklasse bis hin zum Audi TT als Cabrio.

Auch bei den Großkunden sollen die Volkswagen-Marken stärker in den Fokus gebracht werden. Durch den Ausbau des Flottenmanagements erhofft sich der Konzern laut "FAZ" stärkeren Einfluss auf die Unternehmen. Die Leasingnehmer sollten beim Neugeschäft zum Modellwechsel bewegt werden. Das Augenmerk sei dabei vor allem auf die Modelle der Mittelklasse wie den VW Passat, den Audi A4 oder A6 gerichtet. Noch wirbt aber selbst Europcar im Internet mit einem Mercedes für die Betreuung von Fuhrparks.

Neue Verträge mit den VW-Händlern

Unterdessen wird Volkswagen die Verträge mit mehr als 8500 Händlern und Werkstätten der Marken VW, Audi, Seat und Skoda EU-weit zum 30. September 2003 kündigen. Darunter sind rund 3000 Partner in Deutschland. Anlass sei die Neuregelung der Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie durch die EU-Kommission, teilten die Wolfsburger ebenfalls am Montag mit.

Im Konzern würden die bestehenden Verträge zum 30. September 2003 beendet. Die künftigen Partner erhielten gleichzeitig eine verbindliche Absichtserklärung zur weiteren Zusammenarbeit.

Die Händlerverträge würden neu formuliert und EU-weit einheitlich ausgestaltet. Es seien bereits Gespräche zwischen den Markenführungen des Volkswagen-Konzerns und den jeweiligen Händlerverbänden aufgenommen worden. Nach der Vorlage der für Oktober erwarteten neuen Leitlinien zur Gruppenfreistellungsverordnung der EU-Kommission sollen die Verträge bis zum Ende dieses Jahres ausgearbeitet und den Vertriebspartnern angeboten werden.

"Das passiert aber nicht, um ein Reduzierungsprogramm zu fahren", betonte ein VW-Sprecher am Montag. Vielmehr sollen die Verträge mit Händlern und Werkstätten auf eine neue Basis gestellt werden. "Eine Lösung muss für die Unternehmen betriebswirtschaftlich tragfähig sein", forderte der Geschäftsführer des VW- und Audi-Händlerverbands, Michael Lamlé.

105.000 Beschäftigte wollen 6,5 Prozent mehr

Zusätzlich haben am Montagnachmittag die Tarifverhandlungen für die knapp 105.000 Beschäftigten von Volkswagen in Westdeutschland begonnen. Die Gewerkschaft IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Geld. Angesichts günstiger Gewinnprognosen gebe es eine gute Grundlage für diese Forderung, hieß es auf IG Metall-Seite.

In dieser ersten Gesprächsrunde werden noch keine Entscheidungen erwartet. Die Verhandlungskommissionen wollen die grundsätzlichen Positionen austauschen.

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