Mobilcom Zockerei geht munter weiter

Und wieder dreht sich der Wind - France Telecom will den Mobilcom-Aktionären nun angeblich doch ein Public Offering bieten. Doch schon am Freitag Abend wird dieses Vorhaben in der Presse wieder dementiert - auf die Rallye folgt der Kurssturz. Gleichzeitig reicht Firmenvater Schmid eine Klage ein.

Büdelsdorf /Paris - Die außerordentliche Hauptversammlung der Mobilcom , die noch am Donnerstag angekündigt wurde, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden.

Minderheitsaktionär France Telecom  wird vorher – vermutlich bis zum 12. September - ein Übernahmeangebot abgeben, hieß es aus Konzernkreisen in Paris.

Die Bekanntgabe der Halbjahreszahlen will France Telecom aufgrund des Mobilcom-Engagements mit einwöchiger Verspätung melden – am 13. September.

Die Aktie von Mobilcom hatte zunächst mit einem Kurssprung um 10 Prozent auf diese Nachricht reagiert. Am Freitag Abend um 18 Uhr folgte dann der Absturz: France Telecom SA werde nach einem Bericht des französischen Anlegermagazins "D'Investir" die finanzielle Unterstützung für MobilCom einstellen. Eine Insolvenz von MobilCom sei nun unvermeidlich.

Die Aktie von Mobilcom brach nach dem Bericht zeitweise um über 20 Prozent ein. Anschließend erholten sich die Titel wieder und notierten um 18.37 Uhr noch 11,25 Prozent schwächer auf 6,47 Euro.

Am Freitag erklärte Schmid, er habe eine Klage gegen France Telecom vor dem Landgericht Frankfurt eingereicht. Damit wolle er die Franzosen zwingen, seine Aktien zu einem Preis zwischen 11 und 17 Euro zu übernehmen, meldet die Agentur vwd. Schmid stützt sich auf Verträge, die ihm erlauben, eine so genannte Put-Option geltend zu machen.

Das in sechs bis acht Wochen geplante Aktionärstreffen, das Großaktionärin Sybille Schmid-Sindram gefordert hatte, werde daher voraussichtlich abgesagt. Schmid-Sindram hält gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid, etwa 50 Prozent der Mobilcom-Aktien.

Trotz Schuldenbergs sanierungsfähig?

Die Verhandlungen mit den Gläubigerbanken über die Umschuldung der 4,7-Milliarden-Euro-Kredite seien weitestgehend abgeschlossen, hieß es. Offen seien noch die Gespräche mit den Telekomausrüsterfirmen Ericsson und Nokia über die Umwandlung von deren Krediten an Mobilcom in Wandelschuldverschreibungen.

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge ist der weltgrößte Handyhersteller und Netzwerkausrüster Nokia  mit 600 Millionen Euro der größte Einzelgläubiger von Mobilcom, dem Mobilfunk-Ausrüster Ericsson  würden 500 Millionen Euro geschuldet.

Auf je 470 Millionen Euro belaufen sich die Mobilcom-Schulden bei Merrill Lynch , ABN Amro , Société Générale  und Deutscher Bank .

Nach Angaben von Mobilcom hat France Telecom mit den Banken bereits einen Vorvertrag unterzeichnet. Im September soll eine Einigung mit den Banken erreicht werden. Am hatte Mobilcom bekanntgegeben, dass sich der Verlust im ersten Halbjahr auf knapp 290 Millionen Euro fast versechsfacht hat.

Mobilcom-Vorstandschef Thorsten Grenz sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass France Telecom den Büdelsdorfer Konzern trotz des Schuldenbergs von mehr als vier Milliarden Euro für sanierungsfähig halte.

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