Mobilcom "Das Ende der Hängepartie steht bevor"

Geht's jetzt endlich ans Eingemachte? Laut Großaktionär Schmid entscheidet sich die Zukunft des Unternehmens in den nächsten Wochen. Im Clinch mit der France Telecom fordert er dabei hartnäckig 22 Euro pro Aktie.

Hamburg - Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid erwartet eine baldige Lösung des seit Monaten währenden Streits mit der France Telecom. Sein Angebot dazu stehe, wobei es ihm "nicht ums Geld" gehe.

Termine, die auf einen Abschluss hindeuten

Zugleich bekräftigte Schmid in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL seine ursprüngliche Forderung von 22 Euro je Aktie für das gemeinsam mit seiner Frau gehaltene knapp 50-prozentige Anteilspaket an dem Büdelsdorfer Telekom-Konzern.

"Eine von der France Telecom angestrengte Insolvenz bei Mobilcom scheint für Schmid wenig wahrscheinlich. Mit den Unterlagen, die France Telecoms Verpflichtung für die Schuldenübernahme bei Mobilcom belegten, könne ein Konkursverwalter "jahrelang gegen ein Staatsunternehmen klagen". Das hätte laut Schmid nicht zuletzt "katastrophale Auswirkungen" auf den Kurs des französischen Partner-Unternehmens.

"Es gibt eine Reihe von Aussagen und Terminen, an denen man ablesen kann, dass das Ende der Hängepartie unmittelbar bevorsteht", sagte Schmid dem Magazin in einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview.

Die Société Générale als Hausbank des Mobilcom-Großaktionärs France Telecom habe jüngst das Risiko des Mobilcom-Engagements als nicht besonders hoch eingeschätzt und zugleich für den 13. September zu einer Roadshow vor deutschen Investoren eingeladen. Schmid: "So was macht nur Sinn, wenn man eine Lösung für MobilCom vorweisen kann."

Schmid war im Juni auf Betreiben der mit 28,5 Prozent an der finanziell angeschlagenen Mobilcom beteiligten France Telecom als Vorstandschef abberufen worden. Seitdem versucht der Gründer des Telekom-Unternehmens, Verhandlungen über eine Übernahme seiner Anteile mit dem französischen Konzern zu erreichen.

Zwischen zehn und 22 Euro?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht prüft auf seinen Antrag hin derzeit erneut, ob France Telecom nach deutschem Übernahmerecht ein Pflichtangebot an die übrigen MobilCom-Aktionäre abgeben muss.

In dem "SPIEGEL"-Interview bekräftigte Schmid ein Angebot vom März, sein Paket für 22 Euro je Aktie abzugeben. Er wäre auch zu einem Tausch gegen jeweils 2,75 Aktien der France-Telecom-Tochter Orange plc. bereit. "Das Angebot steht." Zuletzt hatte er mindestens 14,50 Euro je Aktie gefordert, aber stets einen Preis von 22 Euro je Aktie als "fair" bezeichnet. Die France Telecom soll angeblich nur zur Zahlung von zehn Euro je Anteilsschein bereit sein.

Warum Schmid den UMTS-Ausbau für "gar nicht so teuer" hält

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Die im Nemax50 notierte Aktie des Büdelsdorfer Konzerns kosteten bei Börsenschluss am Freitagabend 6,22 Euro. Schmid äußerte sich zuversichtlich, dass France Telecom mit dem Ausbau des UMTS-Netzes in Deutschland fortfahren werde. "Der UMTS-Ausbau ist doch gar nicht mehr so teuer. Dafür reichen 1,5 Milliarden Euro bis Ende nächsten Jahres", sagte er.

Der Mobilcom-Gründer war mit dem französischen Partnerunternehmen unter anderem wegen verschiedener Ansichten über die weiteren Investitionen in den Aufbau des Netzes für den neuen Mobilfunkstandard UMTS in Streit geraten. Mobilcom hatte im August 2000 mit finanzieller Unterstützung des französischen Staatskonzerns für 8,4 Milliarden Euro eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen erworben.

Trotz Dementi - Übernahmeangebot erwartet

Am Donnerstag hatten Kreise aus dem Umfeld Schmids der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, France Telecom könne schon bald ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre unterbreiten. Das Thema stehe auf der Agenda einer Verwaltungsratssitzung des französischen Staatskonzerns in der kommende Woche. Offiziell bleibt France Telecom jedoch bei seiner Darstellung, mit den bestehenden Besitzverhältnissen bei Mobilcom zufrieden zu sein. Dadurch, so eine Sprecherin des französischen Konzerns, stelle sich die Frage eines Übernahmeangebots (Public Offering) nicht.

Weder Mobilcom noch France Telecom wollten die Frage nach dem Public Offering näher kommentieren. Die Franzosen hatten eine Umstrukturierung der Milliardenschulden von Mobilcom und eine Einigung mit den Lieferanten zur Voraussetzung für ein Angebot gemacht.

Zocker trieb Kurs durch gefälschte News im Netz

Ebenfalls am Donnerstag hatten Spekulationen über ein angeblich bevorstehendes Übernahmeangebot von France Telecom den Kurs der Aktie zeitweise um über 35 Prozent auf 6,79 Euro emporschnellen lassen.

Als Quelle für die Spekulationen wurde das Internet-Diskussionsforum Wallstreet Online identifiziert, das nach Angaben eines Sprechers von einem Nutzer manipuliert wurde. Der Nutzer habe auf der Internetseite geschrieben, Mobilcom und France Telecom wollten noch vor dem 29. August zu einer Einigung kommen und dabei den Eindruck erweckt, es handele sich um eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa. Die dem Nutzer von seinem Internetprovider zugewiesene IP-Adresse wolle Wallstreet Online der Staatsanwaltschaft im Falle von Ermittlungen auf Verlangen zur Verfügung stellen, sagte der Sprecher.

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