Dienstag, 25. Juni 2019

Flutkatastrophe "Was heißt überflutet?"

Das Hochwasser könnte einen volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von 15 Milliarden Euro angerichtet haben, schätzen Volkswirte. Merrill Lynch wagt erste Prognosen, wie teuer die Flutschäden für die Versicherungen werden könnten.

Hamburg – In einigen Teilen Deutschlands herrscht weiterhin Katastrophenalarm. Viele Gebiete stehen noch immer unter Wasser. Versicherungen halten sich nach wie vor mit Schadensschätzungen zurück. Doch während auf den Staat Infrastruktur- und Sanierungskosten in Milliardenhöhe zukommen könnten, dürften sich die finanziellen Folgen der Flutkatastrophe für die Versicherungsunternehmen in Grenzen halten. Das errechneten zumindest die Experten der US-Investmentbank Merrill Lynch (ML) in einer aktuellen Studie.

Nach der Flut: Die Schadensaufnahmen sind noch nicht abgeschlossen
Nach der Hochwasserkatastrophe der vergangenen Tage könnten der Allianz Börsen-Chart zeigen Kosten von 150 Millionen Euro vor Steuern ins Haus stehen, so die ML-Experten.

Auf die italienische Versicherung Generali Börsen-Chart zeigen dürften für Flutschäden im Verbund mit ihrer deutschen Tochter AMB Börsen-Chart zeigen Forderungen von rund 110 Millionen Euro zukommen.

Am kostspieligsten könnte die Jahrhundertflut für die Münchener Rück Börsen-Chart zeigen werden. Der Konzern, einer der weltweit führenden Rückversicherer, wird nach Schätzungen von Merrill Lynch voraussichtlich mit 217 Millionen Euro vor Steuern für die Verwüstung in den betroffenen Regionen aufkommen müssen.

Die Schadensbesichtigungen dauern an

"Wir können den Schaden der Flutkatastrophe nach wie vor nicht absehen", sagte Sabine Wolf, Sprecherin der Allianz, gegenüber manager-magazin.de. "Viele Versicherungsnehmer rufen uns an und sagen, ihre Häuser seien überflutet. Aber was heißt überflutet?" Rund 80 Sachverständige der Allianz seien rund um die Uhr im Einsatz, um Schadensbesichtigungen vorzunehmen.

Auch der Münchener Rück liegen bisher keine genauen Schätzungen zur Höhe der Flutschäden vor. Eine Sprecherin des Konzerns wollte zu dem Ergebnis der ML-Analyse daher keine Stellung nehmen.

Die Studie der Investmentbank beruht auf einem Rechenbeispiel. Bei der Untersuchung gingen die Experten von einem durch die Hochwasserkatastrophe entstandenen volkswirtschaftlich Schaden von rund 15 Milliarden Euro aus und schließen sich damit der Prognose des Dresdner-Bank-Chefvolkswirts Klaus Friedrich an.

Merrill Lynch legt der Untersuchung weiter die Annahme zu Grunde, dass die Hochwasserschäden zu 20 Prozent von den Versicherungen gedeckt werden. "Zwei Drittel davon werden die internationalen Rückversicherer tragen", schreiben die Analysten in der Studie. Die Summe teilten die Experten gemäß des Anteils am europäischen Versicherungsmarkt auf die Unternehmen auf.

© manager magazin 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung