Telekom Ungeliebte Tochter Voicestream

Der neue Konzernchef Helmut Sihler erwägt einen Teilrückzug aus dem Auslandsgeschäft. Die Zukunft der US-Mobilfunktochter Voicestream wird überdacht.

Frankfurt am Main - Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom , Helmut Sihler, bereitet deutliche Kurskorrekturen in der Unternehmenspolitik vor. Er machte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe) deutlich, dass ein Teilrückzug aus dem Auslandsgeschäft erwogen wird. Die Lage bei der US-Tochter Voicestream werde "überdacht".

Ende November will der Vorstand die Ergebnisse seiner strategischen Überlegungen öffentlich machen. Sihlers bisherige Äußerungen waren so verstanden worden, dass er an der Strategie seines Vorgängers Ron Sommer festhalten werde.

Sihler bezeichnete das Festhalten an den vier Säulen Festnetz, Mobilfunk, Großkundengeschäft und Internet als im Prinzip richtig. Im Detail müsse aber geprüft werden, wo andere Akzente zu setzen seien. Sihler machte in dem Interview deutlich, dass nicht alle vier Konzernsäulen gleichermaßen internationalisiert werden könnten.

"Wir prüfen, welche Geschäftsfelder international aufgestellt sein müssen", zitiert die "FAZ" den neuen Telekom-Lenker. Das gelte auf jeden Fall für das Großkundengeschäft von T-Systems.

Zukunft von Voicestream noch offen

Bei T-Mobile sei die Internationalisierung weit fortgeschritten. Das Festnetzgeschäft dagegen sei nicht gleichermaßen internationalisierbar. Über T-Online  machte Sihler keine Angaben. Auf dem US-Mobilfunkmarkt kann sich die Telekom Sihler zufolge nicht mit dem sechsten Rang zufrieden geben (siehe: "Der Handy-Blues"). Es werde darüber nachgedacht, wie die Marktposition verbessert werden könne. Die Frage, ob die US-Tochter Voicestream mit einem Konkurrenten zusammengehen werde, ließ Sihler offen.

Die Telekom befinde sich in einer "ernsten Situation", sagte Sihler weiter: "Wir müssen unsere Ergebnisse dramatisch verbessern und unsere Schulden zurückführen, damit wir wieder finanzielle Beweglichkeit gewinnen."

Dass der Konzern wegen der hohen Abschreibungen auf die UMTS-Lizenzen und die Firmenwerte der gekauften Unternehmen hohe Verluste ausweise, sei "kein Zustand, der auf die Dauer tragbar ist".

Sihler kündigte rasche Entscheidungen an. Das begonnene Programm zur Konsolidierung werde verstärkt. Es "soll und wird" eine Ergebnisverbesserung in Milliardenhöhe bringen.

Zu den Halbjahresergebnissen, welche die Telekom am 21. August vorlegen will, sagte Sihler, diese lägen im Rahmen der Erwartungen und würden belegen, dass das Basisgeschäft der Telekom ordentlich verlaufe. Die Telekom habe "ein sehr gutes erstes Halbjahr" gehabt.

Sihler bekräftigte, dass die Schulden des Konzerns bis Ende 2003 auf 50 Milliarden Euro zurückgeführt würden. Ihm zufolge wird die Telekom innerhalb von drei Jahren 22.000 Stellen abbauen und die bisherigen Aufwendungen von 1,9 Milliarden Euro für Marketing und Werbung um ein Drittel kürzen.

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