HDW Lederers nächster Coup

Auf in die USA - nun will die Kieler Werft mit US-Rüstungskonzern Northrop Grumman kooperieren.

Kiel – HDW-Chef Klaus Lederer ist seinem Ziel, U-Boote und Marine-Schiffe in die USA zu verkaufen, einen Schritt näher gekommen. Nachdem die ursprünglich geplante Beteiligung des US-Rüstungskonzerns Northrop Grumman an der Kieler Werft scheiterte, strebt der Ex-Babcock-Chef nun eine enge Kooperation mit dem US-Konzern an.

Ein entsprechendes Abkommen mit Northrop sei bereits unterschriftsreif, sagte Unternehmenssprecher Jürgen Rohweder am Mittwoch. "Wir haben die klare Absicht, auch die USA als Kunden zu gewinnen", sagte Rohweder gegenüber manager-magazin.de. Dies sei nur mit einem US-Partner möglich.

Bei der Kooperation gehe es in erster Linie um den Verkauf der technologisch bisher einzigartigen U-Boote mit Brennstoffzellen-Antrieb aus Kiel sowie um die Tarnkappen-Korvette der schwedischen HDW-Tochter Kockums.

"Kein Technologieabfluss"

Die Kooperation sehe vor, die gemeinsam aquirierten U-Boot-Aufträge im Verhältnis 50 zu 50 zu teilen, sagte Rohweder. HDW wolle in Kiel die Hüllen produzieren, Leit- und Waffensysteme sollten in den USA eingebaut werden.

Der HDW-Sprecher erklärte, im Vertrag mit Northrop Grumman sei sichergestellt, dass es keinen Technologieabfluss geben werde, "weder in die eine, noch in die andere Richtung". "Auch unser Mehrheitseigner One Equity Partners kann kein Interesse daran haben, dass unser Know-how in die Hände anderer gelangt", sagte der HDW-Sprecher.

Ausverkauf deutschen Rüstungs-Know-hows befürchtet

Meldungen über eine mögliche Beteiligung des US-Rüstungskonzerns an der Kieler Werft hatten bereits Mitte Juni für Brennstoff gesorgt. Experten hatten den Ausverkauf deutscher Rüstungstechnologie an andere Länder befürchtet.

Der Kieler SPD-Abgeordnete Hans-Peter Bartels forderte die Regierung bereits auf, dafür zu sorgen, "dass technologisches Know-how nicht unkontrolliert außer Landes geht", so Bartels gegenüber den "Kieler Nachrichten".

Hoffnung auf Folgeaufträge

Für die HDW sei die Orientierung in Richtung USA auch unter dem Aspekt wichtig, dass die Werft Folgeaufträge für die Zeit nach 2006/2007 benötige, so Rohweder. Bis dahin seien die derzeitigen Aufträge abgearbeitet.

Dass der US-Investor One Equity Partners 75 Prozent der HDW- Anteile übernommen habe, hat nach Aussage Rohweders die Kooperation mit Northrop Grumman "nur klimatisch" beeinflusst.

Exporte nach Taiwan?

Doch Lederers Weg führt nicht nur in die USA. Er will scheinbar auch die umstrittenen U-Bootlieferungen nach Taiwan weiter forcieren. Die US-Regierung soll der taiwanesischen Regierung den Verkauf von acht konventionell betriebenen U-Booten zugesagt haben.

Sollte der US-Konzern planen, gemeinsam gebaute U-Boote nach Taiwan zu exportieren, bedürfe es der Zustimmung der Bundesregierung, zitiert das "Handelsblatt" einen HDW-Manager. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte bereits Mitte Juni vorsorglich klar gestellt, dass der Export der HDW-Brennstoffzellen-U-Boote nach Taiwan "nicht genehmigt" werde.

12.000 Arbeitsplätze gesichert

Unterdessen teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Helmut Schmitz mit, dass bei der insolventen Babcock Borsig AG und ihren Tochtergesellschaften inzwischen rund 12.000 der konzernweit knapp 22.000 Arbeitsplätze gesichert wurden. Diese sicheren Stellen befänden sich bei den zahlungsfähigen Töchtern sowie bei zum Verkauf stehenden Konzernfirmen, sagte Schmitz am Mittwoch in Oberhausen.

Auch die Arbeitsplätze in der noch zu gründenden Auffanggesellschaft seien sicher. Wie viele Beschäftigte in diese Gesellschaft übernommen würden, sagte Schmitz nicht.

Gründung der Auffanggesellschaft zum 1. Oktober

Die Auffanggesellschaft soll unter dem Namen Babcock Borsig Power Systems zum 1. Oktober gegründet werden, ergänzte Babcock-Vorstandschef Horst Piepenburg. Einzelheiten der Finanzierung dieser Gesellschaft wollte er nicht nennen.

Kernstück der Auffanggesellschaft werde das Service-Geschäft für Industrieanlagen wie beispielsweise Kraftwerke sein. Aufgenommen werden in die Gesellschaft nur solche Konzernbestandteile, die "völlig risikofrei" seien, ergänzte Schmitz.

Maschinenbau soll nicht fortgesetzt werden

Nicht weiter betreiben will Babcock den größtenteils bei der finanziell solide aufgestellten Schumag angesiedelten Maschinenbau. Auch der Schiffbau werde als Geschäft wegfallen. Piepenburg ließ offen, ob Babcock die bereits an die US-Gesellschaft One Equity Partners verkauften Anteile an der Kieler Werft HDW zurückholen wolle. Auch sei offen, wer den noch verbliebenen 25-Prozent-Anteil an HDW bekomme.

Der vom früheren Konzernchef Klaus Lederer eingeleitete Ausstieg Babcocks aus dem lukrativen Schiffbaugeschäft gilt im Unternehmen wie auch unter den Kernbanken des Konzerns als Mitauslöser für die Zahlungsunfähigkeit des Tradititonsunternehmens.

Babcock-Aktie gab deutlich nach

Am Mittwochnachmittag reagierte die Babcock-Aktie mit einem Abschlag von rund 15 Prozent auf den bevorstehenden Abstieg des Unternehmens aus dem MDax. Die Deutsche Börse hatte am Vortag bekannt gegeben, Babcock zum 23. September wegen zu geringer Marktkapitalisierung aus dem Index für mittelgroße Aktiengesellschaften zu entfernen.

Die gerichtlichen Insolvenzverfahren für die Babcock-Gruppe werden Schmitz zufolge voraussichtlich am 1. September eröffnet. Aktuell hätten 61 Gesellschaften ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt.

Keine Notwendigkeit für weitere Massekredite

Nachdem für das Service-Geschäft ein erster Massekredit zur Fortführung der Geschäfte bereits vor Wochen zugesichert worden sei, gebe es augenblicklich für weitere Massekredite keine Notwendigkeit. Das werde sich aber voraussichtlich in einigen Wochen ändern.

Weder Schmitz noch Piepenburg wollten auf der Pressekonferenz in Oberhausen die Frage beantworten, welche einzelnen Gesellschaften Unterschlupf in der neuen Auffanggesellschaft finden sollen. Das Unternehmen soll als Tochter der Obergesellschaft Babcock Borsig AG gegründet werden, später sei eine Verselbstständigung denkbar.

Endgültige Lösung wird noch Jahre dauern

Unter der Babcock Borsig verblieben die zahlreichen Gesellschaften, die man weder verkaufen noch woanders einbringen könne. Bis für alle Gesellschaften Lösungen gefunden seien, könnten Jahre vergehen, sagte Piepenburg.

Babcock Borsig hatte Anfang Juli zusammen mit der Tochter Babcock Borsig Power Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der Versuch einer Sanierung war damals am Widerstand der Banken gescheitert.