Unwetterschäden Hauptsache "Elementarschaden"-versichert!

Überflutete Keller, unterspülte Mauern - die fortdauernden Regengüsse dürften in Deutschland für Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe sorgen. Ein Fall für die Versicherungen? Nicht unbedingt.
Von Brigitte Lausberg

Hamburg – Für die Versicherungsbranche ist es bisher kein glückliches Jahr. Die Kursstürze an den Aktienmärkten haben einen Großteil der anvertrauten Kundengelder der Lebensversicherungen vernichtet. Die hohe Zahl der Insolvenzen fordert von den Assekuranzen zudem, für versicherte Risiken, wie beispielsweise den Ausfall der Betriebsrente, aufzukommen.

Nachdem anhaltende Regengüsse weitere Teile Deutschlands in Krisengebiete verwandelten, fürchten Anleger nun erneut erhebliche Belastungen für die Branche. Am Montag gerieten die Aktien der Assekuranzen zunehmend unter Druck. Die Titel der Allianz  und der Münchener Rück  litten unter deutlichen Kursabschlägen.

"Diese Reaktion ist maßlos übertrieben", sagte Siegfried Brockmann, Sprecher des Gesamtverbands der deutschen Versicherungsgesellschaften e. V. (GDV). Die finanziellen Auswirkungen der Unwetter, so Brockmann weiter, dürften für die Versicherungen nicht so hoch ausfallen, wie viele auf den ersten Blick vermuten könnte. Der Hauptgrund: Viele Haushalte der betroffenen Regionen seien nicht gegen derartige Unwetterschäden versichert.

Auf die Elementarschadensversicherung kommt es an

Während simple Zusatzpolicen zur Wohnungsgebäudeversicherung die Schäden der Frühjahrsstürme teilweise abdeckten, ist gegen derartige Unwetterschäden nur geschützt, wer zuzüglich zu seiner Hausrats- und Wohnungsgebäudeversicherung eine so genannte Elementarschadensversicherung abgeschlossen hat.

"Für diese Versicherungsart haben wir vergleichsweise wenig Policen verkauft", sagte Sabine Wolf, Sprecherin der Allianz  gegenüber manager-magazin.de. Zudem seien viele Gebiete betroffen, in denen die Bevölkerung zumeist nicht mit Hochwasser gerechnet hätte. Daher sei davon auszugehen, dass einer Großzahl der Geschädigten diese Zusatzversicherung fehle, sagte die Sprecherin weiter.

Zahl der Schadensmeldungen deutlich gestiegen

Doch die Unwetter der vergangenen Monate hinterlassen auch bei den Versicherern unweigerlich ihre Spuren. Beim Versicherer HUK Coburg hat sich die Zahl der Schadensmeldungen durch Sturm und Überschwemmung im ersten Halbjahr gegenüber 2001 fast verzehnfacht.

Bei der Allianz stieg die Zahl der gemeldeten Schäden um das Vierfache. In erster Linie handelte es sich bei den Versicherungsfällen um Sturm- und Hagelschäden, die durch gewöhnliche Gebäude- und Hausratsversicherungen abgedeckt sind.

Ein Beispiel für die Kosten der Verwüstung: Nachdem im Juni tagelange Unwetter in Baden-Württemberg und Bayern für Verwüstungen sorgten, gingen bei der Versicherung 27.800 Schadensmeldungen im Bereich der Kfz-Kasko-Versicherung ein. Die gesamte Schadenssumme dürfte sich auf rund 47 Millionen Euro belaufen.

Schaden noch nicht beziffert

Über die Schadenshöhe der jüngsten Unwetter liegen den Versicherungen noch kein Schätzungen vor. Zudem sei es derzeit noch zu früh, von der bisherigen Schadenswelle auf Prämienerhöhungen zu schließen, so die Sprecherin.

Der Sprecher der GDV erklärte zudem, dass Versicherungen für Unwetterfälle solchen Ausmaßes Schadensrückstellungen und Schwankungsreserven bildeten, aus dem Assekuranzen im Fall höher Schadensfälle schöpfen könnten. Diese müssten in diesem Fall ausreichen.