Discount-Airlines Tickets für 10 Euro

Für Branchenprimus Ryanair verschärft sich der Gegenwind. Eine Billigflug-Offensive des Duos Lufthansa und Eurowings wird immer wahrscheinlicher. Auch der Tourismusriese TUI breitet die Flügel aus.

Köln - Wöchentlich wird der Start neuer Discount-Airlines angekündigt, der Gründerboom erinnert bisweilen an das Dotcom-Fieber. Während die TUI Entwürfe vollendet und ein Konkurrent ihr zuvorkommt, plant auch der Lufthansa-Ableger Eurowings den Frontalangriff auf Ryanair - mit neuem Namen und neuen Preisen.

Es wird immer deutlicher, dass Eurowings das Vehikel sein wird, das die Lufthansa für ihren Einstieg ins Billigsegment nutzt. Der Kranich-Konzern, der bereits 24,9 Prozent Eurowings hält und eine Option auf weitere 49 Prozent besitzt, beabsichtigt allem Anschein nach, sein Regionalgeschäft so umzubauen, dass Eurowings gestärkt hervorgeht.

Die neue Billigfluggesellschaft soll German Wings heißen, das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchenkreise. Eine Sprecherin von Eurowings wollte die Spekualtionen nicht kommentieren. Der Aufsichtsrat müsse dem Billigflugkonzept in der nächsten Woche erst noch zustimmen.

Deutsche Konkurrenz für Ryanair und Easyjet

Selbst Cityline, die 100-prozentige Regionalflugtochter der Lufthansa, soll offenbar abspecken, damit Eurowings wachsen kann. So könnte der Charterflieger gezielt zum Konkurrenten für Ryanair und Easyjet ausgebaut werden.

Die Pläne werden in einer Woche bekannt, in der die britische MyTravel als erster Touristikkonzern in Europa die Gründung einer eigenen Billigairline bekannt gab und der deutsche Konkurrent TUI den baldigen Startschuss für einen eigenen Billig-Projekt ankündigte.

Wer es mit den Konkurrenten aus Irland und England aufnehmen will, muss aber vor allem eines sein: glaubwürdig und konkurrenzfähig bei den Preisen. Vieles spricht dafür, dass sich Eurowings schon ab Herbst vor allem mit Kampfpreisen für in Mittelmeer-Destinationen profilieren will.

So berichtet das Touristik-Fachblatt "fvw" am Freitag, Eurowings wolle für Preise zwischen 10 und 20 Euro Ziele wie Barcelona, Rom und Mailand sowie Mallorca und Malaga anfliegen. Auch Metropolen wie Rom, Madrid, London und Paris sollten von Köln/Bonn aus angesteuert werden.

Als Starttermin für das Angebot nennt "fvw" den 28. Oktober. Nach den bisherigen Plänen würde das Unternehmen zunächst mit einer Flotte von fünf Airbus A319 Billigflüge anbieten.

Ticketkauf ausschließlich per Klick

Ticketkauf ausschließlich per Klick

Um Kosten im Vertrieb zu sparen, soll der Billigflug-Ableger der Lufthansa die Flugtickets ausschließlich über das Internet vertreiben. Die Britischen und amerikanischen Vorbilder machen es vor.

Bis zur Sitzung des Aufsichtsrates Mitte nächster Woche halten sich Vertreter der Fluglinie mit Sitz in Dortmund offiziell bedeckt. So sagte ein Sprecher, er kenne keine Preise, darüber werde noch nachgedacht.

Neuer Aldi-Airport Köln

Die Entscheidung für die Basis für der Fluglinie scheint hingegen praktisch gefallen zu sein: Ein Projektteam bei Eurowings favorisiert Köln/Bonn als neues Drehkreuz. Zuvor hatte schon die Fluglinie Virgin Express des britischen Milliardärs Richard Branson angekündigt, ab Herbst diesen Standort anzusteuern.

Da auch die TUI mit dem Standort liebäugelt, könnte sich Köln als kleinere Billig-Konkurrenz zum etablierten Großflughafen Frankfurt etablieren - eine Art deutsche Antwort auf das britische Stansted.

TUI: Billigairline im Alleingang

Offiziell heißt es von der TUI noch, man verhandele mit mehreren Flughäfen. Mit einer Entscheidung ist nach Angaben aus Konzernkreisen aber in den nächsten Wochen zu rechnen. Insgesamt sei das Projekt Billig-Airline schon weit fortgeschritten, bestätigte ein TUI-Sprecher in dieser Woche.

Noch werde aber geprüft, ob die Kooperation mit einer bestehenden Fluggesellschaft sinnvoller sei als die Gründung einer eigenen Gesellschaft. Zuvor waren TUI Gespräche mit den Fluglinien Germania und Air Berlin nachgesagt worden.

Wie die Briten die Hannoveraner überholten

Der Chef des kürzlich von Preussag in TUI umbenannten Reiseriesen, Michael Frenzel, hatte bereits auf der Hauptversammlung Ende Juni angekündigt, dass der Konzern in den derzeit stark wachsenden Markt einsteigen werde. Frenzel hatte das Projekt intern auch gegen Bedenken im Eiltempo durchgesetzt.

Trotzdem hat der britische Reisekonzern MyTravel die Hannoveraner TUI überholt und bereits das Markenlogo für seine Airline MyTravelLite präsentiert. Auch sie soll erstmals im Oktober starten und sich mit Destinationen wie Alicante und Malaga zunächst auf das Spaniengeschäft konzentrieren.

Mit zwei Airbus 320 wird MyTravelLite auch Städte wie Genf, Paris und Belfast ansteuern. Deutsche Touristen gehören zunächst nicht Zielgruppe der britischen Neugründung, zunächst fliegt sie ausschließlich von Birmingham aus. Wohl nicht mehr lange: Schon 2003 will die neue Fluglinie auch deutsche Ziele wie zum Beispiel Düsseldorf ansteuern.

TUI: Konkurrenz für Lufthansa und Ryanair Ryanair: Ikarus oder König der Lüfte?


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