Fairchild Dornier Die Zeit läuft davon

Der angeschlagene Flugzeugbauer verhandelt mit einem russischen Investor.

Düsseldorf - Die insolvente Fairchild Dornier verhandelt einem Zeitungsbericht zufolge mit einem sibirischen Investor über eine mögliche Fortführung des 728-Jet-Programms. Wie das "Handelsblatt" in seiner Freitagausgabe schreibt, befinden sich die Gespräche mit der Holding des Oligarchen Basowy Element allerdings noch in den Anfängen. Sollte Fairchild Dornier bis zum 30. September keinen Investor finden, droht dem Unternehmen die Schließung.

Auf einer Betriebsversammlung am Donnerstag nahm Geschäftsführer Thomas Brandt zu den Verhandlungen mit dem neuen Interessenten Stellung. Er warnte vor zu großen Hoffnungen und betonte, die Gespräche mit dem sibirischen Unternehmen seien erst im Anfangsstadium. Brandt wörtlich: "Wir müssen erst sehen, ob aus dem Pflänzlein ein Baum wird."

In den vergangenen Wochen hatte sich bereits unter anderem Weltmarktführer Bombardier und die italienische Alenia gegen eine Übernahme des 728Jet entschieden. Wenn auch die aktuellen Gespräche scheitern, wird das Prestige-Projekt endgültig eingestellt.

Drei Interessenten für den 328Jet

Auch die Verhandlungen über die restlichen Geschäftsbereiche kommen nur langsam voran. Nach Angaben von Brandt gibt es derzeit drei Interessenten für eine Übernahme des kleineren 328Jet. Daneben gebe es weiterhin Verhandlungen mit vier Interessenten über einen Verkauf der Airbus- Komponentenfertigung. Eine Entscheidung müsse aber spätestens im Herbst fallen.

Fairchild Dornier hatte Anfang April einen Insolvenzantrag gestellt. Von dem drohenden Untergang des Unternehmens sind nach Angaben des Betriebsrats insgesamt mehr als 3.600 Arbeitsplätze direkt und weitere 12.000 bei Zulieferern betroffen.

Hoffen auf die hohe Politik

Allein durch die drohende Einstellung des 728-Programms fallen mindestens 1.800 Arbeitsplätze fallen weg. Rund 400 Fairchild Dornier-Beschäftigte haben gute Chancen auf einen Arbeitsplatz beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS.

Die letzte Hoffnung der Beschäftigten ruht nun auf Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). "Herr Bundeskanzler, Herr Ministerpräsident - wo bleibt die zugesagte Unterstützung?", stand auf Transparenten, die am Donnerstag bei einer Demonstration mitgeführt wurden.

Der Unionskanzlerkandidat wird voraussichtlich in den nächsten Tagen noch mehrfach an die Betriebsversammlung erinnert. "Das ist Chefsache, Herr Stoiber", heißt es auf Postkarten an seine Adresse, die der Betriebsrat an die Beschäftigten verteilte. "Insolvenz bei Fairchild Dornier" steht auf der Karte über dem Bild eines Regionaljets. "Tausende Mitarbeiter fliegen."

Fairchild Dornier: Ist der Konzern doch noch zu retten?

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