Deutsche Bank Kaufoffensive mit Risiko

Die Banker aus Frankfurt wollen bis zu 334 Millionen US-Dollar für Immobilien in Tokio ausgeben.

Tokio - Japans Immobilienpreis-Blase, die Ende der achtziger Jahre platzte, hat in den Top Ten der größten Spekulationsabsurditäten des zwanzigsten Jahrhunderts einen Ehrenplatz verdient. Weil sich die Preise für selbst drittklassigen Lagen in kurzen Zeitspannen vervielfachten, wurden Immobilienbesitzer über Nacht steinreich. Ende der achtziger Jahre starteten Japans Immobilien-Mogule dann eine Invasion in den USA und gaben, wie sie es gewohnt waren, irrsinnige Summen für Gebäude wie das Empire State Building aus. Als die Blase platze, riss dies auch den japanischen Aktienmarkt nach unten, richtig erholt hat er sich bis heute nicht.

Anderthalb Jahrzehnte später hat Tokio den Rang als teuerste Stadt der Welt an Hongkong verloren, in Japan herrscht seit Jahren Deflation - aus Sicht der Deutschen Bank ein günstiger Zeitpunkt zum Einsteigen, denn man rechnet damit, dass die Immobilienpreise nicht weiter fallen. "Jeder, der im Markt aktiv ist, spürt jetzt, dass wir den Boden erreicht haben", sagte Kurt Roeloffs, Asienchef der Deutsche-Bank-Immobiliensparte, dem Nachrichtendienst "Bloomberg".

Roeloffs plant, bis zu dreißig Gebäude für Büros, Einzelhandel oder Industrieanlagen in Tokio und den Trabanten-Metropolen Kawasaki und Yokohama zu erwerben. Die Kaufoffensive, die bis zum Jahresende vollzogen werden soll, wird dem Bericht zufolge rund 40 Milliarden Yen kosten, etwa 334 Millionen US-Dollar. Das Geld soll durch eine Mischfinanzierung aus Krediten, die Mobilisierung von Bargeld-Reserven und durch die Beteiligung von Partnern aufgebracht werden.

Die Preise sind um 62 Prozent gefallen

Im Zentrum von Tokio liegt die Leerstandsquote von Büros bei niedrigen 4,9 Prozent, zudem sind die Immobilienpreise in den vergangenen elf Jahren um 62 Prozent gefallen. Trotzdem ist die Kaufoffensive kein ganz risikofreies Vorhaben in einem Land, das sich von Rezession zur Rezession hangelt und bei Reformen etwa des Banksystems kaum vorankommt. Analysten warnen bereits, dass die Zahl der leerstehenden Gebäude sich in den nächsten Jahren deutlich erhöhen könnte, wenn über eine Million Quadratmeter neue Büroräume allein im Geschäftsviertel fertig gestellt sind.

Die Deutsche Bank hofft nach Angaben Roeloffs, durch Verbesserungen an den Gebäuden ihren Wert deutlich zu steigern - um bis zu 20 Prozent. Geht die Rechnung auf, sollen die Gebäude gewinnbringend weiterverkauft werden. Im Übrigen ist die Bank nicht der einzige westliche Investor, der bei japanischen Immobilien wieder zugreift: Morgan Stanley hat seit 1998 drei Milliarden Dollar für Grund und Gebäude in Japan ausgegeben.

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