WCM "Ehlerdings Probleme sind nicht die unsrigen"

WCM-Großaktionär Karl Ehlerding in Nöten: Seine Beteiligung haben verschiedene Banken übernommen – und zumindest eine soll die "verhafteten WCM-Aktien" jetzt auf den Markt werfen. "Doch das ist keine Dauersituation", sagt WCM-Chef Roland Flach im Gespräch mit manager-magazin.de.
Von Christian Buchholz

mm.de:

Herr Flach, WCM  hält mehr als fünf Prozent an der Commerzbank . Belastet der negative Kursverlauf dieser mächtigen Beteiligung das Unternehmen? Immerhin hat die Commerzbank-Aktie binnen fünf Monaten ihren Wert halbiert.

Flach: Die Aktie wird mit Sicherheit nicht auf dem jetzigen, extrem unterbewerteten Kurs verharren. Bedenken Sie, dass allein der Buchwert bei 24 Euro liegt. Wir haben den wesentlichen Teil unserer Aktien zu 19 Euro gekauft und sehen aktuell auch keinen Wertberichtigungsbedarf.

mm.de: Der WCM-Großaktionär Karl Ehlerding hatte allerdings teurer gekauft…

Flach: Herr Ehlerding hat öffentlich dargelegt, dass die Finanzierung seines WCM-Pakets nicht mehr stimmt. Nach den jetzt bekanntgewordenen Informationen stehen Herr und Frau Ehlerding aber vor einer Einigung mit den begleitenden Banken.

mm.de: Es ist aber zutreffend, dass WCM die Commerzbank-Aktien von Ehlerding vor einigen Wochen für 19 Euro übernommen hat?

Flach: Richtig. Aber es ist unlogisch, zu behaupten, das Unternehmen hätte Probleme, weil der Großaktionär Ehlerding Probleme hat. Dies wird in den Medien zurzeit kolportiert, entspricht aber nicht der Sachlage. Herr Ehlerding ist zwar Aufsichtsratsmitglied, aber für WCM nicht operativ tätig.

mm.de: Vor wenigen Tagen musste Karl Ehlerding allerdings auch seine WCM-Aktien an die Banken abgeben. Die verkaufen die Aktien jetzt offenbar massiv – und drücken den Kurs. Können Sie da nur machtlos zuschauen?

Flach: Es gibt kein Instrument für WCM, um dem wirksam entgegenzusteuern. Es ist nach unserer Kenntnis nur eine Bank, die die "verhafteten Aktien" momentan unkontrolliert in den Markt gibt.

Wie WCM auf eine feindliche Übernahme reagieren will

mm.de: Sie meinen, die Bank verkauft ohne Rücksicht auf Verluste?

Flach: Ja, aber eben nur eine Bank - dies wird aber nicht endlos möglich sein. Es handelt sich also nicht um eine Dauersituation. Die WCM-Kurse sind jetzt für mittelfristig orientierte Anleger fantastische Kaufkurse.

mm.de: Ergreifen Sie Massnahmen, um das Unternehmen gegen eine feindliche Übernahme zu schützen?

Flach: Nein, nicht die Gesellschaft bestimmt, wer Eigentümer ist, sondern die Aktionäre, die ihre Aktien verkaufen können, wie es in deren individuelle Entscheidungssituation passt. WCM hat ein funktionierendes Geschäftsmodell und eine solide Unternehmensentwicklung. Weil diese Faktoren stimmen, ist die Zukunft - unter welchem Eigentümer auch immer - gesichert.

mm.de: Eine neue Aktionärsstruktur ist aber zu erwarten?

Wir sind eine Aktiengesellschaft mit einer Vielzahl von Eigentümern. Nach all dem, was wir von der Diskussion um die Finanzierung des WCM-Pakets von Herrn und Frau Ehlerding wissen, wird Herr Ehlerding auch weiterhin ein bedeutender Aktionär der WCM bleiben.

mm.de: Trotzdem wären Sie über einen höheren WCM-Kurs sicher nicht traurig. Der litt vor einigen Wochen allerdings stark unter der Verkaufsempfehlung eines kleinen Vermögensverwalters in der Schweiz, gegen den Sie rechtliche Schritte angekündigt hatten. Steht hier noch eine juristische Auseinandersetzung bevor?

Flach: Die Annahmen, auf denen die Studie der United Zürich Finance fußte, waren sachlich falsch. Das ist berichtigt worden.

mm.de: Mittlerweile spricht die Adresse sogar eine Kauf-Empfehlung für WCM aus.

Flach: Aha. Jedenfalls ist der Anlass für eine rechtliche Auseinandersetzung heute nicht mehr gegeben – und das Rad der Zeit kann man nicht zurückdrehen.

Karl Ehlerding: Fehlgriff des "Goldenen Händchens"?

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