PwC/TUI Vorwurf der Quersubventionierung

Die Prüfer von PwC sollen bei der TUI-Vorgängerin Preussag Manipulationen gedeckt haben. Das behauptet Ex-Manager Hans-Joachim Selenz.

Hannover - Der ehemalige Preussag-Vorstand und Vorstandsvorsitzende der Salzgitter AG, Hans-Joachim Selenz, hat bei der US-Börsenaufsicht SEC die Deutschland-Tochter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) angezeigt.

Selenz wirft PwC Bilanzmanipulation beim Preussag-Jahresabschluss 1996/97 vor. Dies berichtet die Tageszeitung "Die Welt" in ihrer Dienstagsausgabe.

Laut des Berichts weist PwC jeden Vorwurf zurück. "Die von einem früheren Vorstandsmitglied der Preussag gegen PwC erneut erhobenen Vorwürfe über unsere Arbeit bei der Preussag entbehren jeder Grundlage. Unsere Prüfungen, Bewertungen und Abschlusstestate waren ordnungsgemäß, einwandfrei und sind nicht zu beanstanden", zitiert die "Welt" eine schriftliche Stellungnahme des Wirtschaftsprüfers.

Sonderverkäufe in Milliardenhöhe

Der Vorwurf des Managers gegen seinen inzwischen zur TUI  umfirmierten Ex-Arbeitgeber zielt in Richtung einer illegalen "Quersubventionierung" durch Sonderverkäufe in Höhe von 2,5 Milliarden Mark. Das Führungsgremium habe laut Selenz unter Billigung des Aufsichtsrates durch den Verkauf von Substanzwerten hohe Verluste von Tochterfirmen ausgeglichen. Die PwC-Vorgängergesellschaft C & L soll diese Buchungen gedeckt haben.

TUI hat die Bilanzierungs-Anschuldigungen gegen PwC ebenfalls zurückgewiesen. "Die Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage", sagte TUI-Sprecher Herbert Euler am Dienstag der Nachrichtenagentur DPA. "Der Jahresabschluss 96/97 hat ein einwandfreies Testat. Das haben auch unabhängige Prüfungen ergeben", sagte Euler. Der "Welt" zufolge droht der TUI nun als erstem deutschen Unternehmen ein Verfahren der US-Börsenaufsicht. Dazu könne er jedoch nichts sagen, erklärte der Konzernsprecher.

Der Informant von Gerhard Schröder

Selenz hatte zuletzt als Politiker für Schlagzeilen gesorgt. Als Statthalter des Hamburger Innensenators Ronald Schill sollte er in Niedersachsen die Partei Rechtsstatlicher Offensive (PRO) aufbauen. Der ehemalige Stahl-Manager galt als aussichtsreicher Kandidat für die Wahl zum ersten Landesvorsitzenden.

Anfang Juni wurde Selenz aber von der Partei ausgebremst. Die Parteiführung in Hamburg hatte beschlossen, die Gründung des neuen Landesverbandes zu verschieben und Selenz seiner Aufgaben zu entheben.

Zuvor war Selenz auch schon Mitglied der FDP gewesen, mit der er das Oberbürgermeisteramt von Salzgitter erobern wollte. Zu Preussag-Zeiten galt er aber immer als ein SPD-Mann. Als sein ehemaliger Chef Michael Frenzel den Plan schmiedete, das Stahlwerk in Salzgitter an Voest Alpine zu verkaufen, soll Selenz den damaligen Niedersächsischen Ministerpräsidenten und heutigen Bundeskanzler Gerhard Schröder vorzeitig über den Deal informiert haben.

Schröder, der mitten im Landtagswahlkampf steckte, nutzte die Gelegenheit und verhinderte den Verkauf an die Österreicher mit der Begründung, die Arbeitsplätze in Salzgitter retten zu wollen.

Keine Bestechung durch Michael Frenzel

Zusätzlich zum "Verrat" beschuldigte Selenz den heutigen TUI-Chef, den Salzgitter-Vorständen eine Million Mark pro Kopf geboten zu haben, wenn sie dem Verkauf des Stahlwerks zustimmen würden. Die Ermittlungen gegen Frenzel wurden aber eingestellt und Selenz musste 1999 bei Salzgitter seinen Stuhl räumen.

Auch auf seinem nächsten Posten blieb der umstrittene Manager nicht lange. Im Januar 2001 legte er "auf eigenen Wunsch" sein Vorstandsmandat beim Autozulieferer Edag nieder, dass er im September 1999 angetreten hatte. Er könne nicht ausschließen, dass die Diskussion über die Vorgänge bei der Salzgitter AG die Interessen der Edag beeinträchtigen könnten, zitierte ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.