Telekom Anschuldigungen zurückgewiesen

Der Konzern weist die Vorwürfe gegen seine Vorstände und Aufsichtsräte wegen Untreue zurück. Die Anwälte, die bereits die Ermittlungen gegen die Mannesmann-Manager ins Rollen brachten, erstatteten Strafanzeige gegen die Telekom-Verantwortlichen.

München/Frankfurt - Nach einer unlängst eingereichten Strafanzeige wegen der Voicestream-Übernahme gibt es nun neuen Ärger für die Deutsche Telekom (Kurswerte anzeigen): Die Stuttgarter Steuerexperten und Wirtschaftsprüfer Mark Binz und Martin Sorg werfen laut "Süddeutscher Zeitung" den Verantwortlichen des Bonner Unternehmens vor, durch einen Aktienoptionsplan im Jahr 2001 die Anteilseigner um mindestens 375 Millionen Euro geschädigt zu haben.

Die Strafanzeige richte sich unter anderem gegen den Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus, gegen den damaligen Aufsichtsrat und heutigen Vorstandsvorsitzenden Helmut Sihler und gegen den im Juli zurückgetretenen Telekomchef Ron Sommer.

Es gehe um einen Aktienoptionsplan für den Telekomvorstand, auf Grund dessen die Manager im Jahr 2001 Aktienoptionen im Gesamtwert von einer Milliarde Euro erhalten haben.

Die Anwälte rügten, dass der Optionsplan fehlerhaft sei und dass die Aktionäre die diesen Plan auf der Hauptversammlung auf Empfehlung des Aufsichtsrats genehmigt hatten, von dem Kontrollgremium "grob wahrheitswidrig" über die Konsequenzen dieses Beschlusses informiert worden seien.

Telekom weist Vorwürfe zurück

Telekom-Sprecher Stephan Broszio wies die Vorwürfe gegen die Führungsriege des Konzerns indes zurück. Das Aktienoptionsprogramm der Telekom bewege sich im üblichen Rechtsrahmen.

Begünstigt wurden 3000 Mitarbeiter des Konzerns, neben dem Vorstand auch die zweite und dritte Führungsebene. Die mit dem Programm verbundene Entlohnung habe sich nicht nur an der Kursentwicklung der Telekom-Aktie, sondern auch an den internen Leistungen der Mangager orientiert.

Auch Staatssekretär Heribert Zitzelsberger angezeigt

Der Vorstand habe gewusst, dass der Optionsplan als solcher und die tatsächliche Zuwendung von Optionen "nicht mit den Interessen der Aktionäre vereinbar" gewesen seien. Insofern hätten sich beide Gremien der Untreue schuldig gemacht, schrieb die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Anzeige.

In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" heißt es, angezeigt worden sei auch Staatssekretär Heribert Zitzelsberger aus dem Bundesfinanzministerium. Die Anzeige, die dieser Zeitung vorliege, richte sich auch gegen die Erhöhung der Vorstandsvergütung um bis zu 90 Prozent.

Als strafbar eingestuft werde außerdem die Abfindung, die Sommer für sein vorzeitiges Ausscheiden erhalte. Dies begünstige die Manager "unangemessen". Die Bezüge seien nicht an den Interessen des Unternehmens und seiner Aktionäre ausgerichtet, die dem Aufsichtsrat anvertraut seien.

Die Anwälte hatten bereits das Verfahren gegen den früheren Chef der Mannesmann AG, Klaus Esser, und deren Aufsichtsräte Josef Ackermann (Deutsche Bank) und Klaus Zwickel (IG Metall) ins Rollen gebracht.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.