Accenture Leinen los

Die Unternehmensberatung Accenture will sich auf das Geschäft mit Banken und Versicherungen konzentrieren. Die Büros in Hamburg und Berlin passen nicht in das Konzept und werden geschlossen.
Von Arne Stuhr

Hamburg – Kofferpacken hat in diesen Tagen Konjunktur bei Accenture. Während sich die rund 1400 Mitarbeiter der Deutschlandzentrale für den Umzug von Sulzbach nach Kronberg, also von einem Taunusstädtchen in das andere, vorbereiten, steht für über 500 Mitarbeiter eine weitaus unerfreulichere Reise an.

Wie manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen erfahren hat, plant Accenture, ehemals Andersen Consulting, die Niederlassung in Hamburg (300 Mitarbeiter) komplett zu schließen und am Standort Berlin (270 Mitarbeiter) lediglich eine Repräsentanz aufrecht zu erhalten.

Neben der Zentrale in Sichtweite zum Bankenzentrum Frankfurt ist Accenture in Deutschland noch in München (770 Mitarbeiter) und Düsseldorf (300 Mitarbeiter) präsent. Auch die Büros in Wien (220 Mitarbeiter) und Zürich (270 Mitarbeiter) werden von Deutschland aus geführt.

Die Spesen waren zu hoch

Den in Hamburg und Berlin betroffenen Mitarbeitern wurde eine Versetzung in die neue Zentrale "Campus" nach Kronberg angeboten, samt einer vom Arbeitgeber finanzierten Verlagerung des Wohnsitzes von Alster oder Spree in das Rhein-Main-Gebiet.

Hintergrund dieser Offerte ist, dass schon jetzt viele Accenture-Berater aus Hamburg und Berlin bei Projekten weit entfernt ihrer Heimatbüros eingesetzt werden und ihr Unternehmen durch Spesen für Reisen und Übernachtungen auf der Kostenseite belasten. Da Accenture künftiges Geschäftspotenzial vor allem in den Finanzmetropolen Frankfurt und München wittert, hätte sich diese Tendenz sicherlich in den nächsten Jahren noch verstärkt.

In Deutschland sind keine Entlassungen geplant

Bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen Mitte Juli dieses Jahres hatte Accenture angekündigt, noch bis Ende August rund 1000 der 75.000 weltweiten Stellen abbauen zu wollen. Nicht umzugswillige Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen würden, kämen Accenture also sogar entgegen.

"In Deutschland sind aber keine Entlassungen geplant, die 1000 Stellen beziehen sich auf USA, Großbritannien und Australien", verneinte Accenture-Sprecher Ulf Henning auf Nachfrage von manager-magazin.de einen Zusammenhang. Die geplante Schließung des Hamburger Büros bestätigte Henning hingegen. "Zum 31. Dezember dieses Jahres ist in Hamburg Schluss. Das neue Home-Office der Berater wird dann Frankfurt beziehungsweise Kronberg sein", sagte Henning.

Beim Standort Berlin sei die "Diskussion noch nicht abgeschlossen". Es werde "sicherlich eine Verkleinerung" geben, das Unternehmen wolle aber schon in der Hauptstadt vertreten sein.

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