Pleite-Manager Von der Gier getrieben

Ob Missmanagement oder Erfolgskurs - die Top-Manager der Großkonzerne streichen üppige Bezüge ein. Eine Studie belegt nun, wie viel die Pleite-Manager verdienten, die die größten US-Firmeninsolvenzen verantworten.

New York – Firmenpleiten, Bilanzfälschungen und Skandale gingen zum Teil auf ihr Konto – aber auch hunderte Millionen Dollar. Die Rede ist von bestbezahlten Pleite-Managern der USA. Sie erzielten mit dem Verkauf von Aktienpaketen in den Boomzeiten der Börse üppige Gewinne und damit einen Großteil ihrer persönlichen Einnahmen. Die fest vereinbarten Gehälter machten nur ein Minimum ihrer Bezüge aus.

So strichen die Vorstände und Führungskräfte der größten US-Unternehmen, die in den vergangenen anderthalb Jahren Insolvenz beantragen mussten, in den Jahren von 1999 bis 2001 insgesamt 3,3 Milliarden Dollar an Gehältern, Aktienoptionen, Gewinnen aus Aktienverkäufen und Boni ein. Das ist das Ergebnis einer Studie der "Financial Times".

In ihrer Untersuchung überprüfte die Finanzzeitung 208 Manager amerikanischer Unternehmen. Bei 181 Führungskräften griff die Studie auf Angaben aus Firmenberichten zurück. Bei den restlichen 27 Unternehmenslenkern berücksichtigte die Untersuchung Aktienverkäufe im Wert von mindestens einer Million Dollar.

Während ihrer Amtszeiten verbrannten sie Millarden Dollar an Aktienkapital und kassierten Millionen. Von den 208 überprüften Managern verdienten 52 Manager mehr als zehn Millionen Dollar jährlich, 31 strichen mehr als 25 Millionen Dollar ein. Immerhin 16 vergoldeten sich ihre Bemühungen mit mehr als 50 Millionen Dollar und acht hatten sogar jährliche Einnahmen von über 100 Millionen Dollar.

Satte Gewinne mit Aktienpaketen

Doch die fest vereinbarten Gehälter machen nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Bezüge aus. Laut Studie erzielten die Manager 2,9 der insgesamt 3,3 Milliarden Dollar durch den zeitigen Verkauf von Aktien.

Vor allem in den Jahren 1999 und 2000 trennten sich die Manager bei Aktienhöchstkursen von ihren Beteiligungen. Mehr als 825 Millionen Dollar konnten laut Studie eindeutig als Gewinne aus Aktienoptionen identifiziert werden.

Zu den Topverdienern zählen bekannte Köpfe wie Ken Lay. Der ehemalige Vorstandschef des insolventen Enron-Konzerns scheffelte in den vergangenen drei Jahren 247 Millionen Dollar, dabei entfielen 221,3 Millionen auf Gewinne aus dem Verkauf von Aktienpaketen.

An der Spitze der Großverdiener steht laut Studie Gary Winnick, ehemaliger Präsident des Telekomkonzerns Global Crossing und Verantwortlicher für die viertgrößte Firmenpleite in der Geschichte der USA. Er verdiente in den Jahren von 1999 bis 2001 sagenhafte 512,4 Millionen Dollar.

Sonderzahlungen von zehn Millionen Dollar

Die Gehälter der 208 überprüften Pleite-Manager beliefen sich dagegen nur auf insgesamt 155 Millionen Euro – Sonderzahlungen nicht eingeschlossen. Doch diese fielen nicht selten recht großzügig aus.

So kassierte Bernie Ebbers, Ex-Chef des insolventen Telekommunikationskonzerns Worldcom, im Sommer 2000 für die Verpflichtung, dem Unternehmen noch weitere zwei Jahre als Chef treu zu bleiben, zusätzlich zehn Millionen Dollar.

Knapp anderthalb Jahre später musste Ebbers wegen des Vorwurfs der Bilanzfälschung seinen Chefposten räumen. Kein Einzelfall. Chuck Conaway, Ex-CEO der insolventen Warenhauskette Kmart, erhielt allein für den Einstieg eine Anfangsprämie von insgesamt 6,3 Millionen Dollar.

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