Mobilcom Konsortium bedrängt France Telecom

Jetzt machen auch die Banken Druck. France Telecom muss schleunigst einen Preis für die Mobilcom-Aktien nennen, sonst wackelt ein Kredit von 4,7 Milliarden Euro. Doch offenbar sind Großaktionär Gerhard Schmid die Angebote bisher zu niedrig.

Büdelsdorf - Am heutigen Mittwoch wären die entscheidenden UMTS-Kredite des Mobilfunkkonzerns Mobilcom  fällig geworden. Doch die Banken gewähren dem verantwortlichen Großaktionär France Telecom (FT)  einen Aufschub.

France Telecom hatte bereits vor Wochen gemeldet, zu dem Thema sei eine Lösung mit den Banken gefunden worden: Eine spezielle Anleihe sollte auf den Markt, damit die Millardenschulden aus der FT-Bilanz herausgehalten werden könnten.

Jetzt meldet Mobilcom jedoch, dass der Kredit von den Banken lediglich gestundet wird. Das Bankenkonsortium unter Führung der ABN Amro Bank, der Deutschen Bank, der Societe Generale und Merrill Lynch hat den Aufschub der fälligen Refinanzierung jedoch an verschiedene Bedingungen geknüpft.

FT: 14 Euro pro Aktie sind ein zu hoher Preis

So sei unter anderem die Bedingung zu erfüllen, dass eine Einigung über einen angemessenen Verkaufspreis der Aktien des zurückgetretenen Firmengründers Gerhard Schmid erzielt werde, sagte am Mittwoch ein Sprecher des Konzerns in Paris.

Der zuletzt von Schmid angeblich vorgeschlagene Preis von 14 Euro pro Aktie sei "noch zu hoch", so der Sprecher. Ferner müsse eine Lösung für die Mobilcom-Schulden in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bei den Zuliefern Nokia und Ericsson gefunden werden.

Der Kredit zum Aufbau des UMTS-Netzes werde nun zum 30. September 2002 fällig, erklärte Mobilcom. Die Stundung erlaube den beteiligten Unternehmen, binnen zwei Monaten die Refinanzierung abzuschließen.

Mit dem Spiel auf Zeit geht die FT allerdings ein Risiko ein: Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bereitet nach eigenen Angaben eine Klage auf Schadenersatz für die Mobilcom-Aktionäre vor.

Verzögert France Telecom mit Absicht?

Die DSW wirft den Franzosen vor, so lange mit einem Angebot zu zögern, dass der Mobilcom-Kurs immer weiter in den Keller sackt. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) prüft den Fall, ist bisher allerdings noch nicht eingeschritten.

Hintergrund sind die Querelen zwischen France Telecom und den Mobilcom-Großaktionären sowie Ex-CEO Gerhard Schmid. Die Franzosen hatten eine weitere Zusammenarbeit mit Mobilcom vom Ausscheiden Schmids abhängig gemacht und so seinen Abgang erzwungen.

Milliardenschwere Verpflichtungen

Mobilcom und France Telecom hatten sich ursprünglich zusammengetan, um in den deutschen UMTS-Markt einzusteigen. France Telecom verpflichtete sich, die milliardenschweren Pläne zu finanzieren.

Im Frühjahr kam es zum Streit zwischen den - inzwischen mit über 60 Milliarden Euro verschuldeten - Franzosen und Schmid, weil France Telecom wegen Finanzproblemen das Tempo des Ausbaus verlangsamen wollte. Schmid dagegen setzte weiter auf ein schnelles Voranschreiten und pochte auf die Vereinbarungen.

Gerhard Schmid: "Ich bin der beste Freund der Kleinaktionäre"

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.